Autor Thema: Warum "klingen" Röhren eigentlich?  (Gelesen 8097 mal)

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Offline Tympanum

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Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« am: 14. Aug. 2007, 10:02 »
Heute mal eine vielleicht etwas ungewöhnliche Frage, die möglicherweise von unseren
'Haustechnikern' beantwortet werden kann:


Warum "klingen" die unterschiedlichen Röhrentypen in den 'Röhrlingen' mitunter so
verschieden?


Obwohl mit der Elektronik nichts am Hut, habe auch ich bereits kapiert, dass es sich bei einer Röhre schlichtweg um ein aktives elektronisches Bauteil handelt, welches mittels unterschiedlich geregeltem Stromfluss innerhalb dieses Bauteils, die Signalverstärkung steuert.

Worin liegen die technischen Umstände begründet, dass Röhren(typen) zuweilen in ihren Amps so unterschiedliche Klangcharakteristika entwikclen können. Dies gilt für freiverdrahtete Verstärker, als auch für die 'Hybriden', die auf Platinen- u. Halbleitertechnik aufbauen. Liegt dies auschließlich in den unterschielichen Kennlinien der jeweiligen Röhren begründet, oder verbirgt sich da soviel mehr dahinter?

Ich bin schon jetzt auf eure Meinungen/Ausführungen gespannt.


Viele Grüße
Nicki   
°~...der Ton macht die Musik...~°

Offline Franz

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #1 am: 14. Aug. 2007, 10:29 »
Hallo Nicki,

du solltest diese Frage einmal telefonisch mit Rainer Roeder besprechen:

http://www.tubeaudiopro.de/d.html

Der Mann ist, was Röhrentechnik betrifft, einer der besten, den ich kenne. Der kann dir alles, was mit Röhren irgendwie zusammenhängt, verständlich erklären. Ein Gespräch mit ihm lohnt immer. Danach weißt du Bescheid. :;036 :;111

Gruß
Franz

Offline Jens

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #2 am: 14. Aug. 2007, 11:01 »
Moin Nicki,

in der Hoffnung jetzt nicht so manche Röhrenfantasie zu zerstören,will ich es mal so ausdrücken.

meisten hört man gar nicht unterschiedliche Röhren,sondern lediglich abweichende Parameter,die auch bei gleichen Röhrentypen
vorkommen. Die leicht unterschiedlichen Parameter führen zu einer Veränderung des Klangbildes in die ein oder andere Richtung.

Auch unterschiedliche Bauweisen und zum Teil auch Materialien führen dazu,das die Röhren sich im Arbeitsverhalten in einem bestimmten Gerät
unterscheiden. Mit Vorsicht zu geniessen sind Aussagen,das bestimmte Röhrentypen in der Ausführung eines bestimmten Herstellers dem einens anderen  überlegen sind. Wenn dies so ist,trifft die Aussage meist nur auf ein bestimmtes Gerät zu. Ebenso wie die Aufassung,daß sich sog. NOS Röhren,Röhren älteren Produktionsdatums,aber eben noch neu = nie benutzt,grundsätzlich Röhren aktueller Produktion überlegen zeigen.

Es ist leider so,daß viele Aussagen die zum Thema Röhre gemacht werden wohl eher in nem Märchenbuch besser aufgehoben wären.

 :;049

Jens

Offline Franz

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #3 am: 14. Aug. 2007, 11:29 »
Hallo Jens,

Zitat
meisten hört man gar nicht unterschiedliche Röhren,sondern lediglich abweichende Parameter,die auch bei gleichen Röhrentypen
vorkommen. Die leicht unterschiedlichen Parameter führen zu einer Veränderung des Klangbildes in die ein oder andere Richtung.

Das isses wohl. :,014 Der von mir erwähnte Röhren-Roeder :,010 mißt und bewertet das z.B. so - was übrigens niemand anders so macht in der Branche:
Zitat
Bei jeder Röhre sind 6 Grund-Messwerte der Doppelsysteme erfaßt: Bias , geringstes Rauschen, geringste Mikrofonie, dazu Steilheit, Auflösungsmessung und Spitzen-Codierung (Mikrofonie und Präzision der Systeme), also 8 Parameter.
http://www.tubeaudiopro.de/d/roehren_d01.html

Gruß
Franz

Offline Höhlenmaler

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #4 am: 14. Aug. 2007, 12:35 »
Seit ich in den verschiedenen HiFi Foren unterwegs bin, habe ich schon oft von Röhren lesen können, aber noch nicht soo viel von Reußenzehn. Mich wundert, daß diese Geräte zumindest in den HiFi Foren vergleichsweise selten zur Sprache kommen.
« Letzte Änderung: 14. Aug. 2007, 12:43 von omanipadmum »
Gruß Ingo . . . . . . . . Last FM

Offline Jens

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #5 am: 14. Aug. 2007, 12:51 »
Das weiß ich auch nicht. Die Amps von Thomas Reußenzehn sind wirklich gut und auch preislich vernünftig kalkuliert. Vielleicht liegt es daran,daß er kein "High-Ender" ist,sonder eher eine "Verstärker bauender Musiker"    :;054

Oder daran daß die Produkte nicht im Hifi Handel zu finden sind,er vertreibt ja ausschließlich (die Hifi Geräte) direkt.

Egal,wie dem auch sei,empfehlenswert sind seine Produkte allemal.

 :;049

Jens

Offline Höhlenmaler

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #6 am: 14. Aug. 2007, 13:06 »
Das weiß ich auch nicht. Die Amps von Thomas Reußenzehn sind wirklich gut und auch preislich vernünftig kalkuliert. Vielleicht liegt es daran,daß er kein "High-Ender" ist,sonder eher eine "Verstärker bauender Musiker"    :;054
Jens

Ein Musiker der Verstärker baut - das ist doch irgendwie passend. Habe mir eben einige seiner Videos ( Hier: http://www.el34.de/ )  angeschaut.  :;036 Da stellt er ( Auswahl ganz rechts oben - Tele Vision) verschiedene Röhren und Sounds vor.
Finde ich sehr interessant. Die Röhren, bzw. die Gitarre, tönt, tönen wirklich super.
 Vielleicht findet der Nicki ja hinter dem el34.de Link - Tele Vision, tatsächlich eine Antwort. Reußenzehn führt den Röhrenwechsel und den Sound vor. Das ist frappierend, wenn die Röhren gewechselt und der Gitarrensound wärmer oder angenehm verzerrt, oder auch ein wenig aggressiver zu klingen kommt.
« Letzte Änderung: 14. Aug. 2007, 13:11 von omanipadmum »
Gruß Ingo . . . . . . . . Last FM

Offline PhonoMax

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #7 am: 14. Aug. 2007, 13:54 »
Sonnigen Nachmittag,

Die Ursachen liegen -geht man weniger ideologisch als methodisch vor- auf der Hand. Röhren haben wenig lineare Kennlinien; je triodiger umso deutlicher. Die gelegentlich in interessierten Kreisen zu hörenden identischen Vorwürfe an den Transistorverstärker ("Alles viel schlimmer!") beruhen auf der nicht verstandenen Transistorkennlnie, über die etwas anderes (Verhältnis Eingangsspannug zum Eingangsstrom) angegeben wird als beim Röhrenverstärker (Verhältnis Eingangsspannung zu Ausgangsspannung).

Nichtlinearitäten eines Röhrenverstärkers lassen sich aufgrund der elektrischen Trägheit der Röhre wesentlich schlechter über mehrere Stufen kompensieren ("Gegenkopplung") als beim Transistorverstärker, der elektrisch so schnell ist, dass selbst Gegenkopplungen über viele verschiedene Stufen zurück auf den Eingang dort noch immer 'rechtzeitig' zur Korrektur eintreffen, was bei der Röhre so nicht möglich ist. Damit erfordern Röhren letztlich eine andere Schaltungstopologie (die Pentode markiert einen der der Auswege) als Transistorverstärker, unmaßgeblich, dass Intermodulationsunterdrückung, Klirr- und Differenztondämpfung ebenso begrenzt bleiben wie in der Regel die erzielbare Frequenzganglinearität. Dass Röhrenstufen selten in Gleichspannungskopplung arbeiten, erwähne ich nur am Rande.

Ausgangsübertrager von Röhrenleistungsverstärkern sind durch den über den Ausgangstrafo fast regelmäßig geführten Anodenstrom gleichstrombelastet (Ausnahme PPP-Verstärker), was seinerseits zu einer Erhöhung des k2 führt. übrigens steigt der Klirraktor eines Röhrenverstärkers tendenziell mit der Aussteuerung (also dem Pegel), was letztlich mit dem Verhalten eines Musikinstrumentes korreliert, dessen Partialtonspektrum vom Pianissimo zum Fortissimo stetig kräftiger wird.

Genau das aber sind die Dinge, die manch einer bei einer medialen Wiedergabe hören will, und von den Röhrenverstärkern durch die oft schon bald nennenswerten Pegel des zweiten Partialtons (Oktave) geliefert bekommt, der dem Klangbild 'Frische' verleiht, auch wenn dies nicht Teil der originalen Darbietung war. Man behalte dabei aber im Auge, dass auch Klirrfaktoren und Differenztonerscheinungen von Lautsprechern sehr häufig in denselben Größenpordnungen liegen, also zu einem Gutteil maskieren (können), was die Röhren so anstellen.

Zum Thema gab es auf der Tonmeistertagung 1998 in Karlsruhe einen recht reizvollen Vortrag von Dr. Götz Corinth, der die Sache unabhängig von Einflüssen Dritter mit der ihm eigenen Sorgfalt und Beharrlichkeit auseinandernahm, auch wenn sich dies in seinem Falle auf die Anpassverstärker von Kondensatormikrofonen bezog, die allerdings an einer besonders kritischen Stelle der Übertragungskette Dienst tun:

Corinth, Götz, Untersuchungen der Frage: "Röhre oder Halbleiter in Kondensator-Mikrofonen, in: Dickreiter, Michael (Hg.), Bericht 20. Tonmeistertagung Karlsruhe 1998. München 1999, S. 450-459.

Das für mich Faszinierende am Röhrenzeitalter ist, dass sie höchstwertige Aufnahmen ermöglichte (und ermöglicht, warum sind von viele Zeitgenossen von der Qualität verwundert, wenn heute ein Band von 1952, ggflls. sogar auf einer zeitgenössischen Anlage wiedergegeben wird?), die das Ohr uneingeschränkt zufrieden stellen. Ihr eine absolute Qualität, ja Überlegenheit zuzumessen, geht am Prinzip dieses Wandlers, den Roger Lagadec (damals Studer) einmal einen "ekligen" nannte, vorbei. Dass er noch weitere Probleme in der heute selbstverständlich erwarteten Betriebszuverlässigkeit ausweist, sollte man auch nicht übersehen.

Hans-Joachim




Offline KSTR

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #8 am: 14. Aug. 2007, 16:25 »
Einspruch, Euer Ehren (auch gegen einige Äusserungen von Hans-Joachim). Hab jetzt grad leider keine Zeit mehr, also bisserl warten...

Grüße, Klaus

Offline Tympanum

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #9 am: 14. Aug. 2007, 18:31 »
Hallo @ll

zunächst herzlichen Dank für das Interesse an dem Thema und die rege Teilnahme.

Moin Nicki,

in der Hoffnung jetzt nicht so manche Röhrenfantasie zu zerstören,will ich es mal so ausdrücken.


Hallo Jens,

keine 'Angst', meine "Röhrenfantasie" hält sich in Grenzen! Auch wenn ich diesen Weg der Verstärkung (Hybrid) für mich favorisiere. Aus eigener Erfahrung kann ich für mich eben sagen, dass ich Unterschiede wahrnehmen kann. Gerade beim Hören über einen längeren Zeitraum, ich spreche hier von Tagen und Wochen, habe ich feststellen können, dass eine vernüftige russ. (Hersteller nenne ich hier absichtlich nicht) KT88 doch anders "klingt", als ihre
Schwester 6550 aus gleichen Landen; beides Pentoden mit ähnlicher Leistung. Die KT88 entwickelt nach einiger Zeit doch noch einen etwas konturierteren Bass als die 6550. Die 6550 wirkt zuweilen ein wenig schlanker und spielt mit einem Tick mehr "Vorwitz" in den Mitten. Dies kann je nach Kette und LS von Vor- aber auch von Nachteil sein.

Mit chin. KT88s hingegen habe ich grauenhafte Erfahrungen sammeln können. Nach ca. 6-8 Wochen wurden diese grummelig und unkontrolliert im Bass,  bissig und nervig in den Höhen. Hier war der, aus klanglicher Sicht, Qualitätsunterschied zu den Russinen enorm; und zwar in negativer Hinsicht. Somit gibt es meiner Meinung nach schon die Option eines quasi klanglichen "Fine-Tunings" unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Röhrentypen/Herstellern. Mit den oben genannten 'New on Stocks' habe ich bis jetzt nicht experimentiert. Und die Frage stellt sich, ob hier noch das Preis-/Leistungsverhältnis in Ordnung geht, wenn man die mitunter horrenden Preise miteinbezieht, die für solche Glaskolben verlangt werden. Hier muß ein jeder für sich entschieden. Wie immer im Leben...

Dank auch an PhonoMax für seine umfangreichen Ausführungen!  :anbet:


Ich bin schon jetzt gespannt, was evtl. Klaus noch zu sagen hat bzw. zum Besten geben will...  :;036


 :to_drink:
LG, Nicki

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Offline KSTR

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #10 am: 14. Aug. 2007, 23:40 »
Erstmal nicht allzuviel (weil ich grad auch noch Migräne habe)...

Eine KT88 ist ein völlig anderes Rohr wie eine 6550 (welche 6550: 6550C, 6550A?) mit völlig anderen Daten und auch anderen Kennlinien, lediglich die Sockelbelegung ist gleich (und auch gleich mit etlichen anderen Leistungsröhren). Das MUSS anders klingen, d.h. wäre schlimm wenn nicht. Ebenso sind EL34, KT66, 6L6 etc nicht gleich...

Röhren mit einem bestimmten Namen wie KT88 oder ECC83 unterschiedlicher Hersteller oder sogar unterschiedlicher Produktion des gleichen Herstellers (nicht: Etikettieres/Stemplers, Hersteller gab/gibt es nur eine Handvoll) können intern völlig anders aufgebaut sein in Material und Geometrie und sich auch beim Altern völlig unterschiedlich entwickeln sowie unterschiedliche Parasitics haben. Das einzige was man hoffen darf (und was auch festgelegt ist), ist, dass eine neue Röhre halbwegs die zum Namen gehörigen typischen Parameter und Kennlinien hat. Das gilt auch für Untertypen wie ECC83 vs. E83CC vs, ECC803S und/oder USA/EU/MIL Äquivalente, wie ECC83 vs. 12AX7 vs. 7025.

Viele NOS-Röhren sind aus diversen Gründen tatsächlich "besser" als heutige Neuware.

Der Hauptgrund für "Röhrensound" sind aber die Auslegung der Schaltungen (nämlich auf ultrasensibel bzgl. auch kleinster Abweichungen der Röhrendaten -- ganz besonders bei Gitarrenamps). Technisch ist das ein Unding und auch nicht notwendig, jedem Elektronikentwickler (wie ich einer bin) würde sofort gekündigt werden in der Industrie, wenn er mit Transistoren ähnlich empfindliche Schaltungen entwickelte...



Die Ausagen von Phono-Max

"Röhren haben wenig lineare Kennlinien; je triodiger umso deutlicher",

und

"Die gelegentlich in interessierten Kreisen zu hörenden identischen Vorwürfe an den Transistorverstärker ("Alles viel schlimmer!") beruhen auf der nicht verstandenen Transistorkennlnie, über die etwas anderes (Verhältnis Eingangsspannug zum Eingangsstrom) angegeben wird als beim Röhrenverstärker (Verhältnis Eingangsspannung zu Ausgangsspannung)."

sowie

"Nichtlinearitäten eines Röhrenverstärkers lassen sich aufgrund der elektrischen Trägheit der Röhre wesentlich schlechter über mehrere Stufen kompensieren ("Gegenkopplung") als beim Transistorverstärker, der elektrisch so schnell ist, dass selbst Gegenkopplungen über viele verschiedene Stufen zurück auf den Eingang dort noch immer 'rechtzeitig' zur Korrektur eintreffen, was bei der Röhre so nicht möglich ist."

sind völlig haltlos und unzutreffend, das werde ich noch sezieren (Verstärkerschaltungen mit Röhren und Transistoren, auch wenn nicht unbedingt für Audio --  eher industrielle Meßtechnik etc -- , sind nämlich zufällig mein langjähriges Arbeits- und Spezialgebiet).

Grüße, Klaus
« Letzte Änderung: 14. Aug. 2007, 23:43 von KSTR »

Offline Jens

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #11 am: 15. Aug. 2007, 01:07 »


Mit chin. KT88s hingegen habe ich grauenhafte Erfahrungen sammeln können. Nach ca. 6-8 Wochen wurden diese grummelig und unkontrolliert im Bass,  bissig und nervig in den Höhen. Hier war der, aus klanglicher Sicht, Qualitätsunterschied zu den Russinen enorm; und zwar in negativer Hinsicht.



Hi Nicki,

die von Dir angesprochenen China Röhren sind dann schlicht mangelhaft von der Qualität. Ohne es jetzt zu pauschalisieren,so würde ich nach meiner Erfahrung sagen,daß Röhren aus russischer und tschechischer Fertigung bei aktueller Neuware vorzuziehen sind. Gerade die chin. Erstbestückungen vieler Geräte sind ein Ärgerniss. Defekte oder massive Klangabweichungen nach kurzer Zeit werden öfters vermeldet. Es gibt sicher auch höherwertige Röhren aus China,aber die finden selten in der Erstausrüstung Verwendung,schon mal gar nicht bei preiswerteren Geräten.

Bei den von Klaus zitierten Aussagen von PhonoMax habe ich selbst als bastelnder Laie mit Grundkenntnissen gezuckt,da auch ich diese spontan als falsch ansehen würde. Aber Klaus (KSTR) kann da sicher fundierter Stellung zu nehmen.

 :;049


Jens

Offline Tympanum

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #12 am: 15. Aug. 2007, 11:23 »

Erstmal nicht allzuviel (weil ich grad auch noch Migräne habe)...


...deshalb besonderer Dank hinsichtl. der misslichen Umstände - ich hoffe, es geht dir nun besser!


Eine KT88 ist ein völlig anderes Rohr wie eine 6550 (welche 6550: 6550C, 6550A?) mit völlig anderen Daten und auch anderen Kennlinien, lediglich die Sockelbelegung ist gleich (und auch gleich mit etlichen anderen Leistungsröhren). Das MUSS anders klingen, d.h. wäre schlimm wenn nicht. Ebenso sind EL34, KT66, 6L6 etc nicht gleich...


Ich hatte seinerzeit in einem V40 die 6550 C von SED laufen. Die waren klanglich nicht so schlank wie die Originalbestückung mit den EL34, ohne jedoch das Klangbild aufzuweichen. Die 6550 C war wesentlich konturierter ohne an Präzision zu verlieren. Im jetzigen V70 habe ich momentan die originalen KT88 EH sitzen, die erstaunlich offen und gar nicht übertrieben voluminös klingen. Ich betreibe sie nun ein halbes Jahr. Lediglich der Bass scheint ein wenig expressiver
geworden zu sein; nur Nuancen. Vielleicht wäre Summasumarum die 6550 C für den V70 auch die erste Wahl, zumal ich ein Pärchen 804S damit
betreibe. Aber ich möchte jetzt hier nicht auf die "LS-Problematik" eingehen. Die Electro Harmonix KT88 ist jedenfalls, aus meiner Sicht, eine
wirklich gute Röhre. EH bietet meiner Kenntnis nach auch 6550iger an. Ein Vergleich zu SED "Winged C" wäre sicherlich interessant! 



Viele NOS-Röhren sind aus diversen Gründen tatsächlich "besser" als heutige Neuware.


Warum...? (Bitte um Erläuterung)



Der Hauptgrund für "Röhrensound" sind aber die Auslegung der Schaltungen (nämlich auf ultrasensibel bzgl. auch kleinster Abweichungen der Röhrendaten -- ganz besonders bei Gitarrenamps). Technisch ist das ein Unding und auch nicht notwendig, jedem Elektronikentwickler (wie ich einer bin) würde sofort gekündigt werden in der Industrie, wenn er mit Transistoren ähnlich empfindliche Schaltungen entwickelte...


Hier wäre in der Tat interessant, was ein Entwickler wie Herr Hofmann zu deiner Ausage sagen würde bzw. welche Argumentation er hierfür ins Feld
führen würde!


Viele Grüße
Nicki
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Offline Tympanum

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #13 am: 15. Aug. 2007, 11:27 »

Hi Nicki,

die von Dir angesprochenen China Röhren sind dann schlicht mangelhaft von der Qualität. Ohne es jetzt zu pauschalisieren,so würde ich nach meiner Erfahrung sagen,daß Röhren aus russischer und tschechischer Fertigung bei aktueller Neuware vorzuziehen sind. Gerade die chin. Erstbestückungen vieler Geräte sind ein Ärgerniss. Defekte oder massive Klangabweichungen nach kurzer Zeit werden öfters vermeldet. Es gibt sicher auch höherwertige Röhren aus China,aber die finden selten in der Erstausrüstung Verwendung,schon mal gar nicht bei preiswerteren Geräten.


Hallo Jens  :;049

deine Aussagen kann ich aus der Praxis heraus nur voll unterschreiben. Nach ca. 8 Wochen mit den "China-Kolben" habe ich einen Fön bekommen;
einfach nur grottenschlecht!


Liebe Grüße
Nicki
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Offline Franz

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #14 am: 15. Aug. 2007, 12:22 »
Hallo Nicki,

eure schlechten Erfahrungen mit "chinesischen" Röhren sind auch die meinen. Ich hab die immer schnellstmöglich ersetzt.

Rainer Roeder - sorry, wenn ich für den Mann eine Lanze hier breche, aber der hat´s wirklich drauf - hält auch die Beschaltung der Röhren für das ausschlaggebende Moment des sog. "Röhrenklanges". Er hält sehr viel von Freiverdrahtung, verzichtet auf jegliche Platinen und Leiterbahnen. ich bin kein Fachmann - aber ein Gespräch mit ihm lohnt immer. Der kann stundenlang darüber erzählen. Und wer mal bei ihm in der "Werkstatt" war und sich umgesehen und umgehört hat, ahnt, daß dieser Mensch "Röhre lebt" :,010

Also Nicki, ruf ihn ruhig mal an. Er kennt alle Röhrenfreaks, incl. Herrn Hofmann von Octave, sehr gut.

Gruß
Franz

Offline KSTR

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #15 am: 15. Aug. 2007, 16:20 »
Hallo,

(Teil 1)

Bei Röhren muss man unterscheiden zwischen:
- den Hersteller-Werken
- den Hersteller-Firmen und den Industrie-Markennamen
- Relabeler (Anwender-Marken) und Fälschern

Herstellerwerke gibt es nicht mehr allzu viele.

Im Gebiet der Ex-UDSSR sind das ( -- verknüpft mit den Marken, soweit bekannt):
"Svetlana" in St.Petersburg -- SED
"Reflektor" in Saratov -- New Sensor==Sovtek==Elektro-Hamonix
"Ryazan" in Ryazan -- SED
"Ulyanov" in Ulyanovsk
"Voskhod" in Kaluga -- New Sensor==Sovtek
"Poljaron" in Lvov
und noch ein paar mehr

Slowenien/Tschechien:
JJ (ex Tesla) -- Groove Tubes
AVVT
KR
Sind auch die Markennahmen

Serbien:
Ei

China:
Shuguang
Liuzhou
O&J
Sino
sowie wohl noch etliche weitere (die handfesten Infos sind sehr spärlich)

Weltweit gibt es auch noch eine kleine Handvoll weitere...


Relabeler und auch Fälscher gibt es unendlich viele, da man Röhren waschen und neu bedrucken kann, sowie neu sockeln und Pins vergolden, Verpackungen fälschen etc.
Praktisch jeder kleinere Vertrieb kann sich eine Umstempelung und weitere kleinere specials leisten.

Mit dem Niedergang der Röhrentechnik als Massenware wurden in West-Europa und den USA die Werke geschlossen, viele davon nach China oder sonstwohin verkauft. Röhrenherstellung ist extrem aufwändig und langwierig und viel Handarbeit ist mit dabei. Durch ausgelutschte alte Fertigungsstrassen und laxe händische Arbeit sowie Qualitätskontrolle ist es kein Wunder, dass speziell manche "Chinesen" auch nur sehr laue Qualität bieten. Jedoch sind die Chinesen (angeblich) die einzigen, die im großen Stil neueste moderne und präzise Fertigungsstrassen entwickeln (es gibt allerdings "Freaks" im Westen, die auch neue Fertigungen entwickeln bzw. alte -- auch wieder zurückgekaufte -- aufwändig restaurieren/verbessern. "Mr.Groove Tubes" -- Aspen Pittman -- ist so einer und hat in Zusammenarbeit mit JJ wohl sehr gute Möglichkeiten geschaffen).

Damals wie heute bedienen sich die Hersteller-Firmen nahezu beliebig aus allen möglichen Werken (auf die sie Zugriff haben/hatten), je nach Bedarf und Verfügbarkeit. Und die Werke bedienen/bedienten sich ebenfalls nach Verfügbarkeit bei den unterschiedlichsten Rohmaterial-Herstellern und Zuliefer-Firmen. Draufgedruckt wird/wurde aber das Firmenlogo (ich habe z.B. alte "Telefunken"-EL34, die aus den RFT-Werken stammen).


NOS (New Old-Stock) - Röhren:
Diese sind aus zwei Gründen "besser":
- viele davon sind schon selektierte / hochpräzise Typen gewesen (zumeist für's Militär), zum Zeitpunkt der Einlagerung. Von Feld-Wald-und-Wiesen-Ware jener Zeiten ist nix mehr übrig.
- Röhrenherstellung war damals eine perfekt entwickelte Industrie mit spezialisierten Materialherstellern und Zulieferfirmen etc. Die Röhrenwerke hatten sowohl besseres Rohmaterial zur Verfügung wie eine ausgereifte Fertigungstechnologie und -kontrolle.

Die bessere Qualität von manchen NOS-Röhren ist also nicht zwingend prinzipiell, sondern aus den Umständen heraus zu betrachten.

Grüße, Klaus
« Letzte Änderung: 15. Aug. 2007, 16:22 von KSTR »

Offline Tympanum

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #16 am: 15. Aug. 2007, 18:39 »
@Franz

lieben Dank für die Info zu Rainer Roeder - du mußt dich nicht dafür "entschuldigen", dass du eine Lanze für ihn brichst. Geht doch vollkommen in Ordnung, wenn man seine Erfahrungen/Kontakte, seien sie positiver, oder auch negativer Natur, mitteilt. Das bringt den geneigten Interessenten doch weiter!


@Klaus

schöner Beitrag, klasse Aufstellung - ich bin ja schon mächtig auf Teil II gespannt, der vielleicht noch das eine oder andere Geheimnis preisgibt;freu' mich schon - Danke!

LG, Nicki
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Offline Hifi 70

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #17 am: 15. Aug. 2007, 19:07 »
Hallo Freunde,

zum Thema Röhren kann ich, mangels Begeisterungsfähigkeit für diese, wenig beitragen.

ABER ich schreibe dennoch, da ich heute ein wunderbares klangliches Erlebnis hatte....ähhmmm..mit Röhren. Ich habe  schwere Bissverletzungen auf der Zunge, aber was wiegt das hat, und so erzähle ich doch von dem was für mich nicht sein sollte. :;057

Ein guter Freund leistete sich die Wandler/Netzteilkombi von JADIS, die an seinem New Audio Frontier Vollverstärker und einem feinen grossen Lautsprecher spielt.

Die klangliche Darbietung war wirklich, auch über den nicht unerheblichen Preis hinaus, einfach grenzwertig. Die klangliche Bühne breit und richtig tief. Wir hörten Jazz, einige Sampler sowie Klassik.

Das imposanteste war ein Symphonie Orchester, das einen irren Spannungsbogen aufbaute, man wird von fantastischen Klängen angelockt und giert nach dem Höhepunkt um sich anschließend an der Entspannung der leisen Passagen zu erholen, die Streicher setzten leise ein um immer lauter zu werden, Kesselpauken und Bläser setzten ein. Man hörte die Reihen, die räumliche Aufteilung der Instrumentengruppen. Kein Detail wurde verschluckt, sogar Griffgeräusche an den Instrumenten wurden erhörbar, das Aufsetzten der Streierbögen auf den Instrumenten, der grosse Konzertsaal. Augen zu, zurück lehnen und das Berliner Symphonieorchester atmen, hören, fühlen....genießen.

Wo ist sie die vielzitierte Weichheit und Wärme der Röhre.....nun das Klangbild hatte die genaue Menge an Analytik, die ich für mein klangliches Wohlbefinden benötige, gepaart mit Schmelz und Charme die man einer guten Röhre nachsagt.


Also, ist es wieder mal so weit, es bröckelt mein kleines bescheidenes Weltbild über Röhren. (Gott sei Dank) kann ich mir das defintiv nicht leisten. Komm zu mir mein geliebter Transistor........vielleicht schaffe ich ja irgendwann mal die Hälfte von dem was ich heute erlebt habe....
« Letzte Änderung: 15. Aug. 2007, 19:14 von Hifi 70 »
herzliche Grüsse aus Wien - Jürgen

PASS Fan......nix sagen sonst werfe ich mit Killerwattebällchen

Offline beamter77

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Re: Warum "klingen" Röhren eigentlich?
« Antwort #18 am: 15. Aug. 2007, 19:10 »
... hab`mal meinen Guru, den Röhrling Gerhard Haas, "befragt".
In seinem Büchlein fand ich die untene Stelle.

Für mich lese ich da, jede Röhrenkonstruktion ist mehr oder weniger für einen "Röhrentyp" ausgelegt.
Im Zweifelsfall den Schöpfer fragen. :;036

« Letzte Änderung: 15. Aug. 2007, 19:16 von beamter77 »
Die Lücke, die man hinterlässt, ersetzt einen vollkommen.
"Ich will frei sein", sprach die Marionette ... und schnitt ihre Fäden durch.
Klug ist jeder. Der eine vorher, der andere nachher.