Autor Thema: °Glühkolben° = Fetisch, oder doch musikalische "Notwendigkeit"?  (Gelesen 2866 mal)

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Offline Tympanum

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Hallo ihr 'Röhren-Junkies'...  :;009

losgelöst von dem technischen Für und Wider würde mich an dieser Stelle einfach interessieren, wieso und warum ihr euch der großen und kleinen Glühkolben verschrieben habt. Ist es ausschließlich das Bedürfnis nach Nostalgie, dieses schwer zu beschreibende 'Vintage-Gefühl', das Bewußtsein als Exot zu gelten, oder steckt tatsächlich viel, viel mehr dahinter?

Berichtet über eure Liebe zur Röhre. Welche Umstände waren es, die euch die 'RÖHR-linge' näher brachten. Welche Erfahrung habt ihr sammeln können. Wieso und weshalb gebt ihr diesem Konzept den Vorzug und warum ist für euch Betroffene der musikalische Genuß über Tubes die erste Wahl? Dies hier soll in erster Linie kein Technik-Fred sein, wobei sachliche Einlassungen aus der techn. Ecke (auch von Röhren-Nichtliebhabern) stets willkommen sind. Ich möchte mir einfach ein Bild machen, wie andere die Faszination (er)leben - Viel Spaß beim freudigen Austausch...

LG, Nicki  :;049   
°~...der Ton macht die Musik...~°

Offline beamter77

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Wer so ausschaut, interessiert mich halt ...  :;036
Der Rest ist ein jahrelanges gegenseitiges Kennenlernen.
Anderes ausprobieren und wieder zurückkehren.
Wie im richtigen Leben. :;009



... leider nicht meiner.




« Letzte Änderung: 24. Jul. 2007, 20:05 von beamter77 »
Die Lücke, die man hinterlässt, ersetzt einen vollkommen.
"Ich will frei sein", sprach die Marionette ... und schnitt ihre Fäden durch.
Klug ist jeder. Der eine vorher, der andere nachher.

Offline Jens

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Wieso und weshalb gebt ihr diesem Konzept den Vorzug und warum ist für euch Betroffene der musikalische Genuß über Tubes die erste Wahl?   

Moin Nicki,

bei mir hat das zwei Gründe. Zum einen mag ich "alte" Technik und habe mich die letzen Jahre immer gern auch mit der konstruktiven Seite beschäftigt.
Und zu anderen habe ich mit bestimmten "Röhrengeräten" für mich die bislang klanglich besten Erfahrungen müssen.

Ein gut konstruierter Röhrenverstärker ist in Verbindung mit dem passenden LS aus meiner Sicht immer eine klanglich beachtenswerte Option.
Gut konstruierte Röhrenvorstufen markieren m.E. das machbare an musikalischem Genuss. Auch oder gerade in Verbindung mit guten Aktivboxen oder Passivboxen + Transistorendstufe.

Ein Punkt stößt mir als "Röhrenfan" allerdings die letzen Jahre ziemlich sauer auf. Viele auf dem Markt angebotenen Röhrengeräte sind weit davon entfernt die technischen und vor allem klanglichen Qualitäten des "Bauelements Röhre" auch annähernd zu nutzen. Da fällt vieles auf dem Markt herum,nicht nur aus China,was sich eigentlich schämen sollte überhaupt zu existieren. Der "Röhrenboom" der letzten Jahre hat leider viel zu viele Abstauber und Trittbrettfahrer auf den Plan,die völlig untauglichen Kram als "HighEnd" (ich hasse diesen Begriff) dem geneigten Musikhörer schmackhaft machen wollen. Da werden Uraltschaltungen sogar noch falsch kopiert,die einfachsten Grundlagen nicht beachtet,von Sicherheitsmängeln mal ganz abgesehen. Dafür gibt es jede Menge gefrästes Alu und LED Flutlicht. Was das an einem Röhrenamp zu suchen hat,wird sich mir nie erschließen. Aber da jeden Tag ein Dummer aufsteht,finden sich genügend Leute die den Ramsch mit Freude nach Hause tragen.

Die Moral von der Geschicht.......spätestens in irgendeinem "Expertenforum" lassen sich selbige darüber aus wie sch..... doch Röhrenverstärker klingen,keine Basskontrolle,keine Auflösung,lahm (logo,Röhren sind ja von Natur aus so langsame Bauelemente....aua) matschig,verhangen.

Und bevor ich es vergesse....ich halte auch Trioden Endstufen mit gewaltigen Leistungen im einstelligen Wattbereich an aktuellen Hifi-LS für keine wirklich gute Idee.....nicht im Jahr 2007 ! Denn eine sauber konstruierte Röhrenendstufe der "Neuzeit" hat beides,Power und Klang. Die Abteilung der verklärten Single Ended unter 10 Watt Jünger samt Breitbandkoloratur ist auch nicht wirklich meine Welt.

 :;049

Jens


Offline KSTR

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Hallo, sehr schöne Idee für einen Strang!

Also bei mir geht die Faszination eher von den Leuten aus die diese Technik geschaffen haben, als von der Technik selber. Man muss sich mal vor Augen halten, mit welchen (im Vergleich zu Heute) einfachen Mitteln die Forscher und Techniker damals (und bis in die 70er Jahre) gearbeitet haben! Da gab es keine CAD-Tools (wie Simulations/Rechenprogramme usw.), kein Internet, etc etc. Diese Leute hatten ein profundes Mathemathik-/Physikverständis und lediglich Tabellenwerke und Rechenschieber, und mußten alles mühsam von Hand und mit aufwändigen Experimenten bewerkstelligen. Das ist für Techniker/Ingenieure wie mich extrem respekteinflößend.

Bei den Geräten selber bin ich recht knallhart ein Form-Follows-Function-Liebhaber. Auf "schön" gemachtes "Designer-HiFi" ist immer etwas suspekt, in dem Sinne dass ich mir denke, man hätte besser noch mehr in technische Details investiert als in (quasi sinnlos) aufwendige Verarbeitung und Optik. Offene Röhrenverstärker sind übrigens aus sicherheitstechnischen Gründen nicht erlaubt (zumindest dürfen sie nicht ohne installierte Abdeckungen ausgeliefert werden).

Ansonsten hat jetzt bereits Jens vieles (zur Technik) genau so geschrieben, wie ich es sonst auch geschrieben hätte.

Grüße, Klaus

Offline beamter77

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... aber da jeden Tag ein Dummer aufsteht, finden sich genügend Leute die den Ramsch mit Freude nach Hause tragen.

Hallo Jens,

du hast (Angi hat es ausgeplaudert :floet:) einen wirklich erhabenen Röhrenamp,
an denen deine Klipsch saugen dürfen. :;036

Zur obigen Aussage liefere ich das Ross und du vielleicht den/die Reiter ?

Horst :;049
« Letzte Änderung: 24. Jul. 2007, 21:11 von beamter77 »
Die Lücke, die man hinterlässt, ersetzt einen vollkommen.
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Offline Tympanum

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Hallo Leute,

sehr schöne Beiträge - insbesondere von Jens!


Es ist interessant zu sehen das es heutzutage doch noch Zeitgenossen gibt, welche sich für die "alte" Technik begeistern können. Wobei man heute eben bei vielen Geräten nicht mehr von 'alt' sprechen kann. Interessant finde ich die Bemühungen einiger Schmieden die Vorzüge aus beiden Welten (Röhre/Halbleiter)miteinandner zu kombinieren/verschmelzen, weil sie der Überzeugung sind, dass dies aus klanglicher Sicht das Optimum darstellt, und eben nicht nur eine
visuelle Effekthascherei implementieren wollen. Viele Geräte weisen geschlossene Gehäuse auf wobei ich gestehen muß, dass mir die "offenen" Varianten/Optionen einfach besser gefallen. Zweifelsohne: Das Glimmen der Tubes hat schon etwas was Emotionen transportieren kann. Gerade bei den großen Pentoden und Power Beams, wo es auch viel zu sehen gibt, hat man das Gefühl, dass dort etwas passiert; das eben dort Energie fließt.

Sicherlich läßt sich trefflich darüber streiten, ob eine Technik zur Signalverstärkung, die locker 60 Jahre und noch mehr auf dem Buckel hat, und aus der Sicht der Energie-Effizienz recht weit hinten steht, heute noch zeitgemäß ist. Richtige Freaks habe ich mir sagen lassen, verwenden als Gleichrichter für ihre Schaltungen keine Halbleiterbausteine, sondern richten ebenfalls mir Röhren gleich. Jedenfalls scheint in Sachen 'Röhren-Hifiverstärker' eine nicht unbedeutende Ranaissance Einzug zu halten, die nicht nur die Geräte aus dem asiatischen Markt betrifft. Es hat den Anschein das auch dieser Tage wieder mehr auf Qualität gesetzt wird. Wenn man Geräte eines Schlages von 'Audio Research', Graaf, oder auch Octave sieht bin ich durchaus der Meinung, dass diese auch ihr Geld wert sind. Gerade hier möchte ich anmerken, dass gute Qualität auch noch aus Deutschland kommen kann, deren Preis-Leistungsverhältnis einfach paßt.

LG, Nicki



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Offline Keafan

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Hallo ,

sehr schönes Thema....rein aus Interesse werde ich gerne mal eine "neuzeitl. " Röhre an meinen vorh. LSP testen wollen....
Warum nicht ,Versuch macht kluch(oder so ähnlich)

Ich denke ,meine LSP sind Röhren kompertibel ,zumindest was den Wirkungsgrad an geht(wasm allerdings nicht alles ist)
_______________________
Gruß Karsten

Offline KSTR

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Hallo Nicki,
Interessant finde ich die Bemühungen einiger Schmieden die Vorzüge aus beiden Welten (Röhre/Halbleiter)miteinandner zu kombinieren/verschmelzen, weil sie der Überzeugung sind, dass dies aus klanglicher Sicht das Optimum darstellt, und eben nicht nur eine visuelle Effekthascherei implementieren wollen.
Es ist auch aus technischer Sicht gut sowas zu machen, sich am Besten beider Welten zu bedienen.

Zitat
Gerade bei den großen Pentoden und Power Beams, wo es auch viel zu sehen gibt, hat man das Gefühl, dass dort etwas passiert; das eben dort Energie fließt.
Jau, und richtig imposant wird dann bei sowas:

(Quelle: http://www.nutshellhifi.com/VSAC2003-2.html)

Zitat
Sicherlich läßt sich trefflich darüber streiten, ob eine Technik zur Signalverstärkung, die locker 60 Jahre und noch mehr auf dem Buckel hat, und aus der Sicht der Energie-Effizienz recht weit hinten steht, heute noch zeitgemäß ist.
Abgesehen vom Wirkungsgrad (der sich mit entsprechenden LS kompensieren läßt, in der Energiebilanz), sind die Konzepte der Röhrentechnik, speziell die vor etwa 1940, immer noch state-of-the-art, ebenso wie (teilweise) die Bauteile. Damals gab es noch nicht den "miesen Trick", mittels Gegenkopplung etwas zu begradigen was halt nicht gerade ist, deshalb sind bestimmte Vorkriegsröhren nach wie vor die linearsten aktiven Bauteile die je gebaut wurden. Anders ging es damals nicht.

Zitat
Richtige Freaks habe ich mir sagen lassen, verwenden als Gleichrichter für ihre Schaltungen keine Halbleiterbausteine, sondern richten ebenfalls mir Röhren gleich.
Auch hier sollte es weniger der Freak-Faktor sein als technische Gründe. Die gibt es in der Tat, jedoch geht es auch mit Halbleitern genauso gut, allerdings mit etwas mehr an Aufwand (nach Anzahl der Bauteile gerechnet) -- eine rein technische Frage, letzlich.

Grüße, Klaus
« Letzte Änderung: 25. Jul. 2007, 20:30 von KSTR »

Offline beamter77

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Jau, und richtig imposant wird dann bei sowas:

Hallo Klaus,

das Bildchen ist wahrlich zum Herz erquicken. :umarm:

Horst :;049
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Offline Tympanum

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Damals gab es noch nicht den "miesen Trick", mittels Gegenkopplung etwas zu begradigen was halt nicht gerade ist, deshalb sind bestimmte Vorkriegsröhren nach wie vor die linearsten aktiven Bauteile die je gebaut wurden. Anders ging es damals nicht.

Ich kenne mich nicht aus, jedoch muß ich für mich feststellen, dass solch ein "Mieser-Trick-Bolide" richtig Spaß macht und phantastisch Musik transportiert.
Natürlich wieder einmal meine eigenen Holzohren betreffend.

Ein Toast auf die "Trickser-Elite" (alias Ingenieure/Engineers)...   :to_drink:


Viele Grüße
Nicki

PS. Muß mich Horst unbedingt anschließen - tolle Bilder, die schon ohne 'Mucke' so richtig nach Mehr dürsten lassen...  :;036 :anbet:
 
°~...der Ton macht die Musik...~°