Autor Thema: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...  (Gelesen 2505 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline pinoccio

  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 3756
  • Beiträge (OFF-Topic): 2776549
David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« am: 05. Jun. 2007, 00:13 »
Gut ok, ich habe den alten Beitrag kopiert. Allerdings ich bekomme diese Scheibe seit 2 Tagen (mal wieder) nicht mehr aus dem Player... Und so richtig mistig ist ja mal wieder: Hab sie klanglich so gar nicht in Erinnerung gehabt :;015

Zitat
Zitat
Original von der Langnase
David Gilmour - On An Island




Ich wollte nur mal eine kleine und sehr subjektive Rezension über diese neue Scheibe schreiben. Es gibt dabei auch so was wie einzelne Titelrezensionen. Allerdings muss ich mich damit etwas beeilen. Denn... je mehr oder öfters ich die Scheibe höre, desto weniger habe ich Lust, dieses grazile Gesamtwerk auseinander zu dröseln und einzeln zu bewerten.

Booklet und Aufmachung der CD finde ich stilvoll und sehr gelungen. Das Ganze strahlt schon vor dem Anhören eine gewisse Ruhe und schüchterne Eleganz aus. Zumindest wirkt es so auf mich - ich mag auch blaue Farben.

Das Booklet liegt nun einfach so auf meinem CD-Player und sagt zu mir: Nimm mich, hör mich mal an. Es kann nämlich sein, das ich dir nur gefalle...

Castellorizon
War uns doch sofort klar! Warum auch nicht? Schöne Opener sind eben dazu da ein Gesamtwerk zu öffnen.... denkt man! Hier habe ich aber eher das Gefühl wie man auf diese Insel kommen könnte. David Gilmour nimmt uns am Kragen hoch, setzt uns auf seine Gitarrenseite und gibt uns einen leichten Schubser. Wir sliden auf seiner Gitarre ins Meer und schwimmen ans Ufer der eigenen Gedanken.
Man fragt als nüchterner Mensch: "Wo und Was ist das?" Gilmour gibt lässig zur Antwort: "Was Dein Ufer ist und Wo es sich befinden könnte, weiß ich nicht. Aber wenn du dir Zeit nimmst, können wir zwanglos die nächsten 50 Minuten gemeinsam darüber nachdenken."
[SIZE=10](Ich selbst glaube nicht, das er damit eine griechische Sporttaucherinsel  meint)[/SIZE]

On An Island
Es ist einfach nur schön. Nun sitze ich hier auf meiner Insel und es fängt jemand sehr relaxt an zu singen. Mit diesem Gesungen kann ich 30 Jahre Begeisterung über Floyd reflektieren. Sehr stark sind die die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten.
Textauszug: "Träumer verschwinden aber sie sind trotzdem noch hier". Lassen wir hier aber mal Pink Floyd zur Ruhe kommen. Ich finde, es ist überhaupt nicht damit zu beantworten. Es riecht einfach nach mehr, als dieser immer wiederkehrende dusselige Vergleich.

The Blue
Hey, da wird doch keiner etwas Heimweh bekommen? Muss er auch nicht. Wer hat die bloß geritten so unverschämt belanglos zu singen? Ich schaue aufs blaue Cover und das sagt mir: Du kennst mich (noch) nicht. Was soll ich sagen? Meine fragenden Blicke werden freundlicher, meine Skepsis wird mehr und mehr belangloser.

Take a Breath
Lückenfüller! Mag ich nicht, will ich nicht. Brauchen tue ich so etwas schon mal gar nicht. Ich strenge mich aber an, vielleicht erkenne ich noch den Sinn dahinter. Ein saurer Lutscher muss wohl immer dabei sein. Vielleicht helfen mir folgende Textzeilen: "Falls ich derjenige bin, der dich über Bord werfen soll. Wenigstens hab ich dir gezeigt wie man zum Ufer schwimmt"
Gut ok, in der Mitte des Songs bekomme ich gezeigt wie man wieder richtig mit seiner oberflächlichen Meinung schwimmen kann.

Red Sky at Night
Genau diese Momente sind es! Hier haben wir Zeit unsere Sinne weiter zu öffnen. Das hier ist ein Opener, nein, der Opener! Er der mir die Welt "On An Island" gnadenlos öffnet. Wer hätte gedacht, das Gilmour so melancholisch Saxophon spielen könnte? Gib einem Musiker ein ihm fremdes Instrument und du hörst, wegen seiner Einfachheit des Spiels, sofort seine Gedanken. Gilmours eigentliche Absicht dieses Albums: Es will dich einfach nur mitnehmen. Es will sich nicht dir mit aller Macht aufdrängen, du drängst dich ihm auf! Wenn du die erste Gelegenheit verpasst hast, das Blaue gibt dir immer wieder die Chance doch noch mitzukommen.

This Heaven
Das erste mal wo ich ans erste Soloalbum erinnert werde. Klingt wirklich so wie 1977. Unglaublich mit welcher Rotzigkeit Gilmour noch unterwegs sein kann. Nach dem Motto: Hier haue ich meine Riffs rein! Tu was! Bastel dir gefälligst selbst eine Meinung zusammen! Er fragt: "Du glaubst du kennst mich?" Und ich muss mir nun eingestehen: "Nein, ich muss passen!"

Then I Close My Eyes
Sind wir leicht schräg? Nein, wir sind leicht verträumt und wollen nur mal jammen. Für mich wieder unglaublich mit welcher Intuition und welcher stilistischer Sicherheit Gilmour seine unzähligen Klampfen beherrscht. Nicht im handwerklichen Sinne, da gibt es bessere - sondern in seiner eigenen Ausdrucksweise die sich einfach anhört, es aber wahrlich nicht ist. Er hat ein sehr phantastisches Gespür die Noten nach seinem Instinkt zu spielen. Dieser Instinkt ist es was mich u. a.. hier fasziniert.

Smile
Dieser Song, er reißt mich jedes Mal mehr mit. Gilmour war noch nie ein großer Sänger, da pfeif ich sowieso drauf. Allerdings hat er dennoch eine einschmeichelnde Stimme mit hohen Wiedererkennungwert. Um so mehr Respekt, hier nur völlig effektfrei zu klampfen und mir ein Ständchen zu singen. Achso nein, das ist ja nicht nur ein kleines Ständchen, der Titel ist wesentlich mehr als nur ein kleines Smilie. Kennt noch einer "Fat Old Sun"? - Dies hier ist er in seiner endgültigen fertigen Version mit seiner Ehefrau Polly Samson. Muss ich jetzt noch fragen was das Album "Atom Heart Mother" in seiner Gesamtheit auslösen kann?

A Pocketful of Stones
Einfach mal die Klappe halten! Das ist das, was mir als erstes eingefallen ist. Wer bei diesem Titel immer noch behauptet, das klingt nach Gilmour oder nach Floyd hat einen an der Klatsche. Ich wüsste nicht wo ich den guten David je so intensiv gehört haben soll. Mit einem Piano, welch er selber spielt? Dieser Titel strahlt einfach. Er zeigt mir mit seiner einmaligen Intensität auf, was ich persönlich in unserer heutigen musikalischen Welt so schmerzlich vermisse. Die Einfachheit des musikalischen Ausdruckes. So einfach kann Musik sein...

Where We Start
Kennt jemand "Wet Dream" von Richard Wright? Obwohl bei diesem Song Rick, mein Lieblingsfloyd, nicht mitmischt, so ähnlich relaxt geht es hier zur Sache. Wir haben hier 6,5 Minuten Zeit um hinzuhören. Ich erwähne die Zeit, weil sie einfach viel zu kurz ist. Ich bekomme hier die Krise, hört euch das klitzekleine Pianoläufchen im Mittelteil an. Es ist so unspektakulär in diesen Song reingepackt - ein Hochgenuß!
Wer immer noch nicht weiß wo sein eigenes Ufer ist dem kann geholfen werden. Einfach wieder auf "Replay" drücken und von vorne anfangen. Aber Achtung! Die Reise wird wohl eine andere sein... mit anderen Ufern die zu entdecken sind.

------

Ich muss einfach anerkennen und erwähnen, dass "On An Island" einfach nicht so klingt wie ich es von David Gilmour erwartet hätte. Auf mich wirkt diese Scheibe in ihrer Gesamtheit sehr gelassen, sehr eigenständig und ausbalanciert. Es gibt normalerweise ein einfaches Wort dafür: "Understatement" - dieses trifft aber nicht so richtig zu. Bei jedem erneuten Anhören kommt eine neue musikalische Delikatesse hinzu über die ich mich freue. Ich selbst mag keine großen musikalischen "Seitenhiebe", das können andere besser produzieren und zelebrieren. Ich gehe davon aus, es war in David Gilmours Absicht, seine Gelassenheit und Zufriedenheit im Alter ohne unnötige Effektballerei auszudrücken.

Ich brauche nichts Neues, keine neue Erfindung irgendwelcher verkappter handwerklicher Stile. Schon gar keine euphorischen D-Dur-4Minuten-Hits. Ich freue mich für ihn -und ich freue mich für mich - das ich seine musikalische und liebenswerte Gelassenheit erfahren durfte. Natürlich ist ein floydianischer Einschlag zu vernehmen, David Gilmour versucht auf "On An Island" nicht diesen Eindruck mit aller Macht wegzuwischen. Er versucht aber auch nicht, mit allzu übermäßigen floydischen Gitarrensolos, die uns wohl allen bekannt sind, zu penetrieren. Er hat einfach uns gezeigt was man als seine reine musikalische Wurzel bezeichnen könnte. Aus dieser Wurzel ist seit 1969 ein riesig großer Baum gewachsen den wir Pink Floyd nennen und der so vieles in den Schatten stellt. Ein Soloalbum zu machen heißt ja auch, dass man sich auf einer anderen Spielwiese als auf der bereits bekannten tummeln kann, erzwingen muss man deswegen aber noch lange nichts. David Gilmour hat nichts erzwungen, er hat für sich, seine Frau und uns *nur* wunderschöne Songs aufgenommen. Respekt!

Nach 30 Jahren Pink-Floyd-Fan ist man ja auch ziemlich froh, etwas neues von den verstreuten Jungs auf die Ohren zu bekommen. Allerdings erschwert mir natürlich diese langjährige Vorbelastung einen klaren Blick zu bewahren. Aber... vielleicht ist auch deswegen ein gefilterter Blick gar nicht so übel? Vielleicht kann man darum besser bestimmen bzw. erkennen warum dieses Album jetzt etwas anderes sein könnte.

Es ist nämlich unglaublich anders! Ich denke, David Gilmour hat uns seine letzte, klarste und intimste musikalische Botschaft mitgeteilt.

Eben seine: "Blaue Gelassen- und Zufriedenheit"

Die floyd'schen Klangmeister Doug Sax (früher SheffieldLab) und James Guthrie hatten einen entscheidenden Anteil, damit diese Werk so klingt wie es klingt. Einfach unaufdringlich, irgendwie zum mehrmaligen Anhören geschaffen. Sehr schön passend zur oben angesprochenen blauen Gelassenheit.

Und weil ich jetzt soviel geblubbert habe gibt es hier nochmals die Kurzform: Phantastisch! Ich liebe es! Es ist mein bisheriges Album für 2006

Gruss
Stefan

ps. Weitere Textübersetzungen von "On An Island" gibt es hier.
Fotos und Berichte von Livekonzerten


Vielleicht liegt es aber nur am Blau  :toolaughing:

Gruss
Stefan
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline Chris Feickert

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 27
    • Was ich so alles anstelle
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #1 am: 05. Jun. 2007, 08:13 »
Moin Stefan,

so wie Du das Teil nicht aus dem Player bekommst, kriege ich die momentan nicht vom Plattenteller runter. Für Vinyl-Fans eine dicke Empfehlung meinerseits, das Teil sollte man haben....

Gruss,

Chris

Offline Amerigo

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 24
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #2 am: 05. Jun. 2007, 14:10 »
Man kann IMO im Vergleich von "On an Island" und "Amused to Death" auch schön hören, welche Hauptströmungen die Musik von Pink Floyd ausmachen. Gilmor hat nicht diese leicht "fiese" Energie drauf, es ist eher schwärmerisch-schöne Musik.

Gruss

David

Offline Franz

  • Hero Member
  • ****
  • Beiträge: 822
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #3 am: 05. Jun. 2007, 14:26 »
Hi Stefan,

zunächst mal meinen fetten Respekt für solch einen wunderbar gestalteten Hörbericht. :,014 :,014 :,014

Als Pink Floyd Fan kenne und besitze ich natürlich alle Alben und Soloalben von denen. Bei Gilmour bin ich gespalten. Ich mag das Debutalbum derart, daß ich seine beiden anderen natürlich daran messe. Und subjektiv, wie ich nun mal bin, empfinde ich die Entfernung zu seinem Debut doch recht groß. Ist das ungerecht von mir? Gewiß, denn auch ein Pink Floyd Mann hat das Recht, sich weiterzuentwickeln - und das hat Gilmour getan. Aufnahmetechnisch sowieso. Da hat Chris völlig Recht. Das Album ist sahnemäßig produziert worden, daran sollten sich andere mal orientieren. :;049

Was bei mir mit dieser neuen Scheibe nicht rüberkommen will, ist diese Aura, eine besondere Stimmung, dieser Gilmour-typische melancholische Gitarrenklang. Liegt wohl daran, daß ich zu sehr in alten Klangzeiten schwärme. Es kommt mir beim Anhören dieser Scheibe nicht diese mystische Stimmung auf, ich verspüre kein Bedürfnis, mir ein Räucherstäbchen anzumachen. Ich höre zu, es plätschert nett dahin, ich lausche der Musik und achte eher darauf, wie toll das doch aufgenommen ist - aber die Musik nimmt mich nicht bei der Hand. Gut, einige Male gelingt es doch. Da denke ich: Mach so weiter, David. Aber schon ist er damit fertig.

So, sollte keine "Abrechnung" mit einem meiner Lieblingsmusiker werden. Wir haben uns halt voneinander entfernt. David ist gegangen, ich bin geblieben. :ueberleg:

Gruß
Franz

« Letzte Änderung: 05. Jun. 2007, 14:30 von Franz »

Offline Tympanum

  • Team-Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 519
  • -Erlebnishörer-
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #4 am: 05. Jun. 2007, 14:41 »
WOW Stefan... - du würdest es sogar schaffen mir meine eigene Großmutter, Gott hab' sie seelig, zweimal "zu verkaufen"
ohne das ich es merken würde! (lieb gemeint!)

Ich kenne dieses Album (noch) nicht bin aber versucht, es blind zu kaufen - tolle Emotionen -> toller Bericht!  :;036 :,014


LG, Nicki
°~...der Ton macht die Musik...~°

Pitt

  • Gast
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #5 am: 05. Jun. 2007, 16:30 »
Hi !

Also mir geht es mit der CD ungefähr so wie Franz !
Ich muß gestehen, daß ich das Hören der Scheibe schon mehrfach abgebrochen habe :;050

Zitat
aber die Musik nimmt mich nicht bei der Hand. Gut, einige Male gelingt es doch. Da denke ich: Mach so weiter, David. Aber schon ist er damit fertig.

und genau aus diesem Grund. Die Gänsehautanteile sind zu kurz und zu dünn gesät um einen durch die CD zu lotsen.

Ich werde ihr aber jetzt nochmals eine Chance geben....und erst nachher das Blaue lesen.

Peter

p.s.  hat schon jemand die CD wieder, auf den widerspenstigen Schaumstoffnippel, zurück bekommen :wallbash:

Offline pinoccio

  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 3756
  • Beiträge (OFF-Topic): 2776549
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #6 am: 05. Jun. 2007, 17:31 »
p.s.  hat schon jemand die CD wieder, auf den widerspenstigen Schaumstoffnippel, zurück bekommen :wallbash:

Peter, das nicht aber den Schaumnippel hab ich schon im CDP gehabt. Lief nicht an...  :,010

Zitat
Also mir geht es mit der CD ungefähr so wie Franz !
Ich muß gestehen, daß ich das Hören der Scheibe schon mehrfach abgebrochen habe :;050

Find ich nicht schlimm - hab ich auch schon. Doch lasst mich etwas schwurbeln...   :huepf:

Interessant für mich ist, dass ich (für mich) das Album auch nicht sonderlich objektiv erfassen kann. Will ich ja auch gar nicht! "On An Island" lässt mich lediglich die Verbindung.... vielleicht auch eine Art Zeitsprung zu "Ummagumma" hinlegen. Das hat eigentlich nichts mit dem ersten Soloalbum (1977) zutun. Gilmour zeigt eben beim "Blauen"  - genau wie auf "Ummagumma" (besonders mit seinem damaligen Studiotitel: "Narrow Way") WER Gilmour war, ist und WIE er sich eben *nicht* entwickelt hat oder wollte. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ihn auf einem Stühlchen sitzen und klampfen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht welches mir sagt:"Das bin ich -   die können mich grad alle mal"

Aber... er hat Pink Floyd mitentwickelt. Wäre Syd Barrett (nach 69) weiter an der Leadgitarre gewesen, wäre spätestens nach "Atom Heart Mother" die Luft rausgewesen - sogar das frühere "Meddle" event. nicht entstanden. Knapp gesagt ist es für mich erstaunlich, wie er eine Verknüpfung zur damaligen Spielweise - seiner noch ängstlich gezeigten Spielweise - schafft. Wer die unzähligen Live-Booklets kennt, mit Syd Barrett und eben später Gilmour, der wird erkennen, wie lange es gedauert hatte, bis das Spiel von PF harmonisch wurde. Mit Syd Barrett wäre dies - mMn - niemals gelungen.

Wie gesagt, dass ist auch nur durch (m)eine gefilterte Brille betrachtet.

Gruss :;049
Stefan
« Letzte Änderung: 05. Jun. 2007, 17:33 von pinoccio »
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline Franz

  • Hero Member
  • ****
  • Beiträge: 822
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #7 am: 05. Jun. 2007, 18:35 »
Hallo Stefan,

ein sehr schöner thread kann das werden, weil an deinen und anderen statements erkennbar wird, wie wir die Musik von Pink Floyd einerseits und dem Selbstverständnis von David Gilmour andererseits - richtiger: unserer Wahrnehmung davon - einordnen.

Zitat
Wer die unzähligen Live-Booklets kennt, mit Syd Barrett und eben später Gilmour, der wird erkennen, wie lange es gedauert hatte, bis das Spiel von PF harmonisch wurde. Mit Syd Barrett wäre dies - mMn - niemals gelungen.

Ja, stimmt. :,014 Aber das ist gerade für mich der Scheideweg meiner Begeisterungsfähigkeit für Pink Floyd. In dem Maße, wie sie "harmonischer" spielten, desto fremder wurde mir ihre Musik. Nach "The Final Cut" hörte für mich die Gruppe eigentlich auf als "Pink Floyd" zu existieren. Mit den späteren Werken konnte ich mich nie mehr so richtig anfreunden, auch weil sie sich darin selbst kopierten. Hör mal genau rein in die späteren Werke danach. Das kreative Element wird zurückgedrängt, gepflegte Langeweile mit Selbstzitaten macht sich breit. David Gilmour ist da für mich in erster Linie verantwortlich. Ecken und Kanten werden wegrasiert. Das ist nicht der Gilmour, den ich schätzte. Aber er macht ja nicht Musik für mich. :,010 Ich achte seine Entwicklung, kann sie aber nicht mit Freude mitgehen.

Wo du "Umma Gumma" erwähnst. Ich kann da bei aller Mühe keine Parallelen zu seiner neuen Platte erkennen. Das war ganz andere Musik, natürlich imho. :;036 Ich bin geprägt von der Musik Pink Floyds der früheren Jahre. Die ersten Alben waren ein musikalischer Aufbruch, jeder einzelne Musiker der Band konnte sich kreativ einbringen. Die Melange ihrer Ideen war für mich ein musikalischer Leckerbissen - es gab immer wieder was Neues zu entdecken, wenn man sich darauf einließ. Heute spulen sie routiniert und mit größter technischer Unterstützung ein Programm ab. Wirklich Kreatives will ihnen nichts mehr einfallen. Aber sie haben einen großen Namen und Reputation ohne Ende bei den Fans weltweit. Die könnten eine leere CD produzieren, und die wäre bereits kurz nach der Ankündigung des Erscheinens ausverkauft. So ist das halt.

Wenn ich Gilmour solo hören will, dann kommt für mich nur die erste LP in Frage. Da zeigt er sowohl Spielfreude als auch ein Füllhorn von Stimmungen, die er wunderbar umsetzt.

Aber ist doch fein, daß man hier unter Pink Floyd Freunden sich über die Musik so individuell austauschen kann. Ich find das spannend. :,014 :to_drink:

Gruß
Franz
« Letzte Änderung: 05. Jun. 2007, 18:37 von Franz »

Pitt

  • Gast
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #8 am: 05. Jun. 2007, 19:16 »
sooo...ich bin durch ...und es wird am Wochenende in aller Frühe ( mit sauberem Strom :;055) wiederholt.

Von mir würde es nun doch eine klare Kaufempfehlung geben.
Da ich nicht so ein Verbalkönner bin (wie manch andere hier :Beifall:) , sag ich nur:

"Where We Start" ist abschließend drei mal gelaufen.....Stefans blauen Text zum Track hab ich aber gerade eben erst gelesen :,014

nun gut...in "Take A Breath" würde musikalisch gesehen schon ein Hauch Hubschrauber am Anfang passen :;055
aber ernsthaft: "Red Sky At Nigth" hätte David m.E. locker auch auf 7:59 strecken können :applaus:.

Peter

Offline pinoccio

  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 3756
  • Beiträge (OFF-Topic): 2776549
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #9 am: 05. Jun. 2007, 19:17 »
Zitat
Wer die unzähligen Live-Booklets kennt, mit Syd Barrett und eben später Gilmour, der wird erkennen, wie lange es gedauert hatte, bis das Spiel von PF harmonisch wurde. Mit Syd Barrett wäre dies - mMn - niemals gelungen.

Ja, stimmt. :,014 Aber das ist gerade für mich der Scheideweg meiner Begeisterungsfähigkeit für Pink Floyd. In dem Maße, wie sie "harmonischer" spielten, desto fremder wurde mir ihre Musik. Nach "The Final Cut" hörte für mich die Gruppe eigentlich auf als "Pink Floyd" zu existieren. Mit den späteren Werken konnte ich mich nie mehr so richtig anfreunden, auch weil sie sich darin selbst kopierten. Hör mal genau rein in die späteren Werke danach. Das kreative Element wird zurückgedrängt, gepflegte Langeweile mit Selbstzitaten macht sich breit. David Gilmour ist da für mich in erster Linie verantwortlich. Ecken und Kanten werden wegrasiert. Das ist nicht der Gilmour, den ich schätzte. Aber er macht ja nicht Musik für mich. :,010 Ich achte seine Entwicklung, kann sie aber nicht mit Freude mitgehen.

Hi Franz

Ich weiß was du meinst  :to_drink:

Allerdings meinte ich mit dem Spiel die Frühphase und Orientierungsphase die bis Ummagumma (1969) anhielt. Lass mich hier den Vergleich von "Astronomy Domine" anführen. Vergleiche dazu Aufnahmen von mitgeschnittenen Konzerten mit Barrett (Rojo: Pink Floyd London 66-67 von Miles Records). Syd Barrett konnte sich an der Gitarre verzotteln ohne wirklich den oder überhaupt einen Schluss zu finden. Dreiviertelstunde *nervendes* Gittarengedresche ohne irgendwelchen Nutzen...

Bei Ummagumma (auf der eben Gilmour vorgestellt wurde) ist die Liveversion mit Gilmour eine völlig andere. Sie wirkt völlig losgelöst von *einem* Musiker. Die Musik hat nun Luft,  Atmosphäre und spürbaren Raum der mit vielerlei Experimenten daherkommt. Man merkt, dass Barrett bis dahin die führende Persönlichkeit war. Mit Gilmour kam jedoch der bessere Gitarrist (Barrett hatte von ihm die Riffs gelernt) und die Mitmusiker durften aus ihrer Statistenrolle heraustreten - mussten auch mehr ihn den Vordergrund. Das kam Floyd nur zugute, sollte aber später auch ihren Band-Tod bedeuten (Waters-Egomanie)

Mit Division Bell fingen sie wieder an zu leben, man könnte es auch das "echte" Nachfolgealbum von WYWH bezeichnen.

Zitat
Wo du "Umma Gumma" erwähnst. Ich kann da bei aller Mühe keine Parallelen zu seiner neuen Platte erkennen. Das war ganz andere Musik, natürlich imho. :;036 Ich bin geprägt von der Musik Pink Floyds der früheren Jahre. Die ersten Alben waren ein musikalischer Aufbruch, jeder einzelne Musiker der Band konnte sich kreativ einbringen. Die Melange ihrer Ideen war für mich ein musikalischer Leckerbissen - es gab immer wieder was Neues zu entdecken, wenn man sich darauf einließ.

Eben! "Ummagumma" ist  - von mir subjektiv betrachtet - genau der Scheideweg dieser Zeit. Anfang macht das Album "The Piper" mit diversen Singels und "Ummagumma" schlossen sie die verkorkste Barrett-Zeit restlos ab. Jedoch... mit den Livefassungen mit Gilmour und den 4 Solointerpretationen der Studiofassung. Ich finde, das war zu dieser Zeit eminent wichtig, damit sie erkennen konnten, wo sie überhaupt, mit wem, hin wollten. Höre dir "Narrow Way" Part3 in Ruhe an - du wirst es erkennen. Gehe mal spaßeshalber weiter auf "More" mit "Cymbaline" (ist zwar von Waters - aber mit deutlichem Gilmour-Überhang)

Zitat
Heute spulen sie routiniert und mit größter technischer Unterstützung ein Programm ab. Wirklich Kreatives will ihnen nichts mehr einfallen. Aber sie haben einen großen Namen und Reputation ohne Ende bei den Fans weltweit. Die könnten eine leere CD produzieren, und die wäre bereits kurz nach der Ankündigung des Erscheinens ausverkauft. So ist das halt.

Nö... die sind ja noch "nur" zu dritt. Wenn ich ehrlich bin: Ich brauche eigentlich keine Kreativität seitens Floyd - sollen andere tun. Im Prinzip möchte ich Floyd hören, wenn ich Floyd höre ;)

Die Kreativität mag auch darin bestehen, dass sie eben ihr Programm mit größtmöglicher technischer Unterstützung abspulen. Wer auf dem letzten Divison-Bell-Konzerten war... diese doch sehr homogene Hochleistungshows sind bis dato uneingeholt. Das Prgramm, die Bühnenkonzepte, die Licht-Sound-Show - das ist auch eine Art von Kreativität, die zudem von Floyd in der Frühzeit in dem Stil erfunden wurde.

Zitat
Wenn ich Gilmour solo hören will, dann kommt für mich nur die erste LP in Frage. Da zeigt er sowohl Spielfreude als auch ein Füllhorn von Stimmungen, die er wunderbar umsetzt.

Ist von 1977 - Mmn bringt er da Ideen unter die er bei WYWH und Animals nicht unterbringen konnte. Der Waters-Einschlag bei Floyd war damals schon spürbar und zu groß. Das Solo-Album finde ich auch klasse. Jedoch halte ich es nicht für sein "persönliches"  - wenn du verstehst, was ich damit ausdrücken möchte  :;003

Zitat
Aber ist doch fein, daß man hier unter Pink Floyd Freunden sich über die Musik so individuell austauschen kann. Ich find das spannend. :,014 :to_drink:

Eben  :;003

Interessant ist schon, dass es nicht nur die Gilmour/Wright/Mason vers. Waters Fraktionen gibt, sondern durchaus noch die anderen o. unterschiedlichen Wahrnehmungen der frühen und späteren Floyds.  :to_drink:

Gruss
Stefan

« Letzte Änderung: 05. Jun. 2007, 19:23 von pinoccio »
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline Franz

  • Hero Member
  • ****
  • Beiträge: 822
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #10 am: 05. Jun. 2007, 19:45 »
Hallo Stefan,

Zitat
Die Kreativität mag auch darin bestehen, dass sie eben ihr Programm mit größtmöglicher technischer Unterstützung abspulen. Wer auf dem letzten Divison-Bell-Konzerten war... diese doch sehr homogene Hochleistungshows sind bis dato uneingeholt. Das Prgramm, die Bühnenkonzepte, die Licht-Sound-Show - das ist auch eine Art von Kreativität, die zudem von Floyd in der Frühzeit in dem Stil erfunden wurde.
 

Da gebe ich dir uneingeschränkt Recht. PinkFloyd live oder heute Roger Waters live sind perfekt inszenierte, großartige Sound-Shows, die vor Ideenreichtum nur so sprühen. Da trete ich immer völlig ab und bade fast in tranceähnlichem Zustand. Keine andere Band vermag mich so in einen eigenen "Klangkosmos" zu entführen, wie es Pink Floyd kann. Das gelingt sogar mit Konserve, wenn ich alleine in einem abgedunkelten Raum höre.

Deren Musik hat sehr viel mit meiner Biographie zu tun. An wichtigen Stationen meines Lebensweges hat mich diese Musik begleitet, da hat sich jede Menge Erinnerung in mein Gedächtnis eingefressen, manch traurige Geschichte ist da mit drin verwoben.

Über Syd Barrett habe ich die gleiche Meinung wie du. Er war wegen seiner egomanischen Exzesse und auch wegen seiner mangelnden Teamfähigkeit nicht in der Lage, die Band zusammenzuhalten, der Ersatz durch Gilmour war der richtige Schritt. Er war vorher ja schon bei Live-Auftritten dabei, weil Barrett nicht immer wollte bzw. konnte. :,010

Ach so: "More" ist auch so ein Opus, was mir viel gegeben hat. :,014

Gruß
Franz

Offline pinoccio

  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 3756
  • Beiträge (OFF-Topic): 2776549
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #11 am: 05. Jun. 2007, 20:02 »
Franz

Zitat
Da gebe ich dir uneingeschränkt Recht. PinkFloyd live oder heute Roger Waters live sind perfekt inszenierte, großartige Sound-Shows, die vor Ideenreichtum nur so sprühen. Da trete ich immer völlig ab und bade fast in tranceähnlichem Zustand. Keine andere Band vermag mich so in einen eigenen "Klangkosmos" zu entführen, wie es Pink Floyd kann. Das gelingt sogar mit Konserve, wenn ich alleine in einem abgedunkelten Raum höre.

Das geht mir nicht anders  :,014 :umarm:

Aber genau das  - in meiner verschrobenen Wahrnehmung -  ist eben genau die Kreativität, die Floyd auszeichnet. Wie sie das erreich(t)en ist daher eigentlich sekundär. Scharfen Kritikern, wirst du niemals mit der Musik alleine beeinflussen o. entgegentreten können. PF ist ein Gesamtkonzept (jedoch ohne Starallüren) welches auch in der Gesamtheit  - inkl. aller Sinne - genossen werden sollte *schwurbel*  :;009

Wobei... eigentlich funktioniert die Musik auch ohne Effekte ganz gut. Gilmour hatte dies bei seinem Meltdown Konzert auch gezeigt: http://www.bruder-franziskus.de/pinkfloyd/dgic00.htm

Und.. hier schließt sich  - für mich  - der Kreis zu dem "Blauen": Gelassenheit...! Einfach nichts mehr beweisen nur noch spielen und selbst dabei genießen. Der Mann ist schließlich über 60  :anbet:

BTW: Wie Floyd-Musik sparsam instrumentiert wirken *kann* hört man hier:

http://www.thefinalcutonline.com/paranoideyes/soundbits-mp3/Cymbaline-2004-10-31.mp3
http://www.thefinalcutonline.com/paranoideyes/soundbits-mp3/Julia-Dream-2004-10-25.mp3
http://www.thefinalcutonline.com/paranoideyes/soundbits-mp3/See-Emily-Play-2004-10-25.mp3
http://www.thefinalcutonline.com/paranoideyes/soundbits-mp3/Fat-Old-Sun-2004-10-31.mp3
http://www.thefinalcutonline.com/paranoideyes/soundbits-mp3/mother-2004-10-18.mp3
© www.thefinalcut.de und www.paranoideyes.de

Einfach anhören und die Augen zu und nicht fragen was der Sinn ist...    :;025

Gruss
Stefan
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline hal-9.000

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 129
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #12 am: 05. Jun. 2007, 20:04 »
Ich habe es auch - ist mir persönlich etwas zu melancholisch ...

Die Aufnahme an sich ist (wie bereits mehrfach erwähnt) dufte.
Grüße
Mario

Offline Franz

  • Hero Member
  • ****
  • Beiträge: 822
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #13 am: 05. Jun. 2007, 20:06 »
Schöne samples, Stefan. :,014

Offline Chris Feickert

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 27
    • Was ich so alles anstelle
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #14 am: 07. Jun. 2007, 08:45 »
Moin,
BTW: Wie Floyd-Musik sparsam instrumentiert wirken *kann* hört man hier:


tja, da zeigt sich die musikalische Aussage im Kern. Die meisten kennen Floyd ja nur in ihrer prallen Fülle, aber das ist eine andere Liga - Minimalismus pur und Besinnung auf das Wesentliche....
Chapeau!!

Gruss,

Chris

Offline pinoccio

  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 3756
  • Beiträge (OFF-Topic): 2776549
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #15 am: 07. Jun. 2007, 09:09 »
Moin

Ich glaube... heute nehm ich die CD mal wieder ausm Player  :;034

Gruss  :;049
Stefan
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline Chris Feickert

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 27
    • Was ich so alles anstelle
Re: David Gilmour "On an Island" Altes von 2006...
« Antwort #16 am: 07. Jun. 2007, 15:14 »
Moin

Ich glaube... heute nehm ich die CD mal wieder ausm Player  :;034

Gruss  :;049
Stefan

Nee,

lasse drin :anbet:, sonst geht vielleicht der Playa kabudd.....

Gruss,

Chris