Autor Thema: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage  (Gelesen 21125 mal)

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Jürgen Heiliger

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Autor des Originaltextes : Rudolf A. Bruil
http://www.xs4all.nl/~rabruil/ttadjust.html
Deutsche Überarbeitung / Übersetzung : Jürgen Heiliger


Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage

Das Abspielen von einer Schallplatten-Aufzeichnung ist ein mechanischer Prozeß von Beginn an.

Verschiedene mechanische Änderungen und Ausrichtungen sollten deshalb gemacht werden, um die beste mögliche Schallplattenreproduction zu bekommen.
Diese Änderungen sind im Zusammenhang zu sehen.

Zu den modernen digitalen Formaten verglichen, sieht die analoge LP-Aufzeichnung, mit ihrem Signal in eine schwarze Vinylscheibe graviert, vielleicht auf erstem flüchtigem Blick arm aus.
Aber vergessen Sie nicht, dass die LP es immer noch ist, die das Meiste und ausführlichstes Signal enthalten kann, das große Dynamik und das verfeinerte Details bereitstellt, welches kein anderes Format außer der Bandmaschine liefern kann, einfach weil der originale LP im Prinzip analog ist.
Oder, um präziser zu sein: Die Natur ist analog.



Die Aufstellung des Plattenspielers, bzw. Plattenspielerchassis

Sie ist von der äußerster Wichtigkeit, um den Plattenspieler mit Arm und Tonabnehmer korrekt einzustellen.
Setzen Sie den Plattenspieler auf einem stabilen Untergrund, in ein Hifi-Reck oder auf eine besondere Konstruktion, die an Wand befestigt wird. Hierbei ist natürlich auch auf die Wagerechte Ausrichtung des Ganzen zu achten. Weiterhin sollte die Oberfläche eben sein und sorgen sie für einen sicheren Stand des Plattenspielers.

Dies ist ein Vorteil für das richtige Funktionieren der Symbiose Plattenspieler-Tonarm-Tonabnehmer.
Bei einem Subchassis-Plattenspieler, Thorens TD160, Linn LP12, o.ä., sollten Sie nun das Subchassis so einstellen, das der Teller eine Chassisfreiheit von etwa 4 mm hat und sich auch selbst in der Waage befindet. Zur Überprüfung des Ganzen eignen sich am besten Libellenwaagen.
Zu guter letzt überprüfen sie das Ausschwingverhalten des Subchassis in dem sie dieses komplett herunterdrücken und dann wieder loslassen. Das Subchassis darf nicht anfangen zu taumeln. Das bedeutet, dass der Plattenteller nicht schaukeln oder wackeln sollte. Wenn er dies macht, müssen Sie die Einstellungen am Subchassis nochmals leicht ändern.
Die Einstellung geht am besten, in dem sie den Plattenspieler, nachdem der Boden entfernt wurde, auf zwei kleine Tische oder Kisten, oder in ein Gestell setzen (welche selbstverständlich auch in der Waage stehen sollten) und dann die Federn von unten einstellen.



Senkrechter Stand des Abtastdiamenten in der Plattenrille / verfolgender Winkel (VTA) (Voreinstellung)

Dazu sollte man überprüfen, ob das TA-Headshell und damit der Tonabnehmer von der Oberseite parallel ist zur aufliegenden LP.
Die meisten Hersteller der Tonabnehmer tragen Sorge, die Diamantspitze und den Nadelträger auf so eine Weise zu montieren, das der Diamant im verfolgenden Winkel (also von der Seite betrachtet)  bei der Parallelität Platte und Tonarm senkrecht in der Rille steht. Dies ist dann bei einem VTA-Winkel von 20° gegeben, las Ausnahme sei hier das Shure V 15 mit einem VTA 15° genannt.
Die letzte Änderung vom VTA wird später gemacht werden, nachdem Sie das Azimut eingestellt haben, und Auflagekraft/Antiskatingkraft genau gesetzt worden sind.



Azimuth-Einstellung des Tonabnehmers

Überprüfen Sie jetzt den von der Front gesehenen Tonabnehmer.
Es sollte zur Plattenrille senkrecht zu dieser stehen. Dies können sie leicht mit einem kleinen Spiegel überprüfen (Thorens lieferte diesen übrigens serienmäßig mit aus). Die Lienen des Tonabnehmers sollten sich im Spiegel ohne Knick fortsetzen.
Wenn Sie eine billige Ersatznadel benutzen, sollten sie zusätzlich den korekten senkrechten Sitz der Nadel zur Plattenrille mittels einer 25-fach Lupe überprüfen.



Überprüfen des Spurwinkelfehlers

Während des Schneidevorgangs der Lackfolie/Metallmaster (von der die Matrize gemacht wird), fährt der Schneidestichel im rechten Winkel zur Plattenrille von außen zum inneren der Platte. D.h. Der Schneidestichel fährt latteral von außen nach innen.
Diese Bewegung kann von einem tangentialen Tonarm imitiert werden. Die meisten Tonarme sind aber nicht tangential sondern Drehtonarme. D.h. Tonabnehmer bewegt sich auf einer Kreisbahn.



Das Ergebnis ist das während des Abspielvorgangs, das sich der Spur-Winkel sich zur Plattenrille verändert. Der Diamant des Tonabnehmers ahmt also den ursprünglich vom Schneidstichel  gemachten Pfad nicht vollständig nach.

Das Benutzen eines Drehtonarmes ergibt praktisch einen verfolgenden Fehler (Spurwinkelfehler), der in einen Zeitunterschied zwischen den Signalen Rechts/Links resultiert, bei jedem Beispiel und direkt messbar, in einige Millisekunden Zeitunterschied zwischen den Kanälen.
Deshalb ist es notwendig, den Tonabnehmer in so eine Weise auf Arm zu montieren, daß Spurwinkelfehler zu einem absoluten Minimum behalten wird.



Die Ausrichtung des Tonabnehmers und Arms muss in Übereinstimmung mit den technischen genauen Angabe, gegeben vom Hersteller des Tonarms, am Arm gemacht werden: Länge, wirksame Länge, Überhang und Offsetwinkel, (Winkel von Headshell in Verhältnis zum Arm). Diese Daten machen es möglich, die korrekte Position des Armes auf dem Faufwerk zu bestimmen, falls Sie einer Motoreinheit einen Arm hinzufügen.
Der Überhang ist die Entfernung zwischen Nadelspitze und Zentrum des Plattentellerlagers. Dies kann gesehen werden, wenn der TA über die Spindel gesetzt wird, wenn der Arm dieses erlaubt. Die effektive Länge ist die Entfernung zwischen Drehpunkt des Arm und dem Diamanten.



Viele Forschungen sind gemacht worden, und in vielen Artikeln ist geschrieben worden, wie der seitliche Winkel zum Maximum zu minimieren ist. Sie entscheiden sich vielleicht für sich, wenn Sie die geringste Verzerrung in den inneren Plattenrillen wollen, also nah dem Aufkleber, die aber die meisten Verzerrung im allgemeinen liefert oder den TA auf so eine Weise angleicht, daß null Verzerrung bei Entfernungen von 63 mm und 120 mm erreicht wird. Sie können sich einem Winkelmesser zeichnen. Genauere Einstelungen erreichen sie aber, die Verzerrungen betreffend, wenn sie sich nach den Nulldurchgängen der Tonarmhersteller richten.
Eine Reihe von Angaben finden sie hier:
TonArmDaten-Liste



Weiterhin ist es auch relevant, ob sie überwiegend Singles, LPs oder Audiophile Pressungen (weiter in den Innenbereich geschnitten) hören.
 
Bei der Einstellung nach IEC setzen Sie den TA, von der Mitte aus gemessen, mit dem Diamanten genau bei 120.9 mm auf die Schablone. Der Körper des TA sollte zu dieser Linie parallel sein. Nun setzen sie den TA bei  66.04 mm ab, der Diamant muss wiederum genau auf den Punkt gesetzt werden, wo sich die Linien kreuzen. Um dieses zu machen, werden sie den Plattenteller ein wenig von Hand drehen müssen. Auch an diesem Punkt sollte der TA-Körper wieder parallel zur Linie sein, wenn der Diamant über die Stelle gesetzt wird.
Sie müssen den Arm und den TA auf so eine Weise einstellen, das bei beiden Schnittstellen parallel zu der Schnittlinie ist.
Nur so stellen sie sicher, dass die Konfiguration genau ist.
Hierzu ist es hilfreich eine dünne Bleistiftmine an das Tonabnehmergehäuse zu befestigen.
Anleitung-Audio-Plattenpieler-Einstellschablone

Die oben erwähnte Schablone ermöglicht Ihnen, den Fehler des Seitlichen verfolgenden Winkels bei jeder Position des Armes zu überprüfen. Sie können beim kleinen Kreis beginnen. Kümmern Sie sich darum, daß die Front des TA-Gehäuse zur Linie parallel ist, markierte 0°. Danach können Sie an verschiedene Punkte überprüfen und das sehen, was der Fehler ist,: + oder - einer oder mehr Grade. Sie können diese Zeichnung ausdrucken, in dem sie sie so vergrößern, dass die Entfernung zwischen Ein und B 15 cm ist, oder in der Orginalgröße von mir per E-Mail angefordert werden.

Sollte die Geometrie des Tonarms nicht optimal sein, kann es in bestimmten Fällen notwendig sein, den TA in dem Headshell ein klein wenig zu verdrehen.
Dieses meint, dass Sie den seitlichen verfolgenden Winkel verändern und möglicherweise die Geometrie des Armes so optimieren. --- Dies kann aber nur gemacht werden, wenn das Headshell Schlitze hat.



Es somit möglich den Spurwinkelfehler eines Tonarms zu optimieren.

Wenn das Headshell keine Schlitze hat, können Sie sich diese machen oder wenn Sie sie nicht geschickt sind, kann man sich ein Headshell mit Langlöchern besorgen, diese gibt es schon ab 7€.

Auflagegewicht

Nun stellen sie das Auflagegewicht entsprechend des Herstellerangaben ein.
Dazu ist erst einmal nötig den Tonarm auszubalancieren, d.h. in den Schwebezustand zu bringen. Dies geschieht meist durch Verdrehen oder verschieben des Gegengewichtes. Anstrebenswert ist es auch hier, dass der Tonarm parallel zur Platte "schwebt".
Nun wird die Auflagekraft entsprechend der Hinweise von Tonabnehmerhersteller eingestellt. Ratsam ist es sich im oberen drittel der Herstellerempfehlung zu bewegen.
Benutzen Sie nie eine Auflagekraft die zu gering ist, sie ist schädlicher wie eine gering zu hoch eingestellte Auflagekraft.
Genauer wird die Einstellung der Auflagekraft per Waage.
Weiterhin können sie die Auflagekraft mit einer dementsprechenden Messplatte durchführen. Es gehört einiges an Erfahrung, die optimale Auflagekraft zu finden.
Die Auflagekraftangabe mit den von den Herstellern angegebenen Werten ist in der Regel ein Annäherungswert.

Notiz: Wenn Sie keinen vom Hersteller des TAs angebotenen originalen Diamanten benutzen, können Sie sich nicht auf die genauen Angabe des TA verlassen. Billigere Ersatznadeln (hier können die Schliffe nicht korrekt sein o.ä.) lassen sich nicht klanglich nit den Orginalen vergleichen. Diese ändern die Ausführung des TA, Fügsamkeit und das Verfolgen der Plattenrille und die Fähigkeit Auflösung und Dynamik in der Musikwiedergabe.
In diesem Fall müssen Sie die beste Auflagekraft selber finden.

Antiskatingkrafteinstellung

Dazu sollte man auch nun etwas weiter ausholen.
Was ist eigentlich die Skatingkraft und wodurch wird sie beeinflusst. Durch die Bewegung des Plattentellers und der Rillenmodulation der Platte und der Preisbahn auf der sich ein Drehtonarm sich befindet entsteht eine Kraft die den Tonarm in Richtung Plattentellermitte zieht, die man Skatingkraft nennt. Mit der Antiskatingkraft wirkt man dieser entgegen.

Man liest vielfach, man nehme die Antiskatingkraft gleich der Auflagekraft, und stelle sie  entsprechend, ob man nass oder trocken seine Platten abspielt, ein. Und überprüfe diesen Wert bei einer Messschallplatte, die ein entsprechendes Messfeld besitzt.

Dies kann so nicht stehen bleiben.

Denn diese Prüffelder haben keinerlei Rillenmodulation, d.h. sie haben eine völlig glatte Oberfläche und befinden sich je nach Hersteller der Platte an unterschiedlichen Stellen auf der Platte.
Weiterhin ist die Skatingkraft eine Kraft die sich kontunuierlich verändert, dem Entsprechend kann die Antiskating nur angenähert werden. Auch zu berücksichtigen ist das für die Skatingkraft noch zwei weitere entscheidende Faktoren eine große Rolle spielen. 1. Die Rillenmodulation, 2. die Stellung des Tonarms auf der Platte und 3. (gering) der Nadelschliff des Tonabnehmers.

Als gute Möglichkeit habe ich für mich heraus gefunden die Antiskatingkraft mit dem Prüffeld der Tiefenabtastfähigkeit ein zu stellen. Als Frequenz wird hier meist 300 Hz genommen und das Signal wird mit immer größerer Auslenkung (Pegel) in die Rille geschnitten. Bei "falsch" eingestellter Antiskating werden die Verzerrungen nie gleichzeitig hörbar, immer zuerst nur auf einem Kanal. Der andere Kanal verzerrt erst bei der nächsten oder übernächsten Pegelstufe. Über den Kopfhörer abgehört erkennnt (hört) man sehr schnell auf welchem Kanal die Verzerrungen eher anfangen. Nun also die Antiskating solange verändert bis die Verzerrungen auf beiden Kanälen gleich schnell anfangen.
Mit dieser Methode hat man zumindestens alle Faktoren berücksichtigt die sich während des Abspielens nicht mehr verändern. Wenn sich nun dieses Prüffeld noch im Bereich des Nulldurchgangs des Tonarms befindet hat man zumindestens auch die Sicherheit, das die Antiskatingkraft entsprechend des Spurwinkelfehlers sich verhält.
Anmerkung: Bei besonders schafen Schliffen, vdHul und dessen Derivate, stellte es sich als besser heraus den oben so gefundenen Wert um 25% zu verringern, da der üblicherweise auf Platten befindliche Pegel geringer ist wie bei den Testplatten.
 
Erst ein mit der richtigen Auflagekraft und Antiskatingkraft eingestellter Tonabnehmer wird mit einem sauberen Stereo Bild und geringsten Verzerrung belohnen.

Nochmalige Überprüfung des VTA-Winkels des Tonabnemers.

Nachdem die Auflagekraft  und die Antiskating sorgfältig gesetzt worden sind, sollte der VTA nochmals überprüft werden.
Es gibt einige Hersteller, die einen genauen VTA von 20 Grad garantieren, als große Ausnahme gilt die Shure V 15 Baureihe, die einen VTA von 15° besitzt.
Aber was versteht man eigentlich unter dem VTA.
Es ist damit der Winkel des Nadellagers zur Tonabnehmergehäuse-Oberseite gemeint, und nicht der Winkel des Nadeleinschubs zur Plattenoberfläche. Dieser kann von Tonabnehmerhersteller gewollt anders sein.
Entscheidend ist der Senkrechte Sitz des Diamanten zur Plattenoberfläche im abgesenktem Zustand.
Notiz: Es kann ein nicht korekter Sitz des Diamanten damit nicht ausgeglichen werden, bzw. es ist nicht sinnvoll.



Trotzdem ist es sehr wichtig, den korrekten VTA einzustellen, wenn Sie einen ausgeglichenen  Klang mit feinzeichnenden Höhen, Detailreichtum und Präzision erreichen wollen.
Ein Herunterlassen oder Erhöhen des Arms beim Drehpunkt wird zu einem "Einrasten" des Klangbildes führen.
Besonders bei scharfen Schliffen, wie z.B. v.d. Hul oder Microridge ist der korrekte VTA besonders wichtig.
Auch bedenken sie, das zwischen einer billigen Pressung und einer Audiophilen Pressung bis zu 1,5 mm Dickenunterschied sind, und somit sich der VTA sich auch wieder verändert.
 
WÄHLEN SIE DEN VTA MIT DEM SIE ALLE PLATTEN ABHÖHREN ALS MITTELWEG



viel Spaß beim Lesen

Gruß
Jürgen

Entsprechende Schablonen können auch direkt von mir bezogen werden.

Aus aktuellem Anlass eine Exeltabelle mit welcher man die Nulldurchgänge der verschiedenen Arme berechnen kann und per diagramm diese angezeigt, sowie den durch den Spurwinkelfehler bedingten Klirrverlauf angezeigt bekommt.
« Letzte Änderung: 22. Mai. 2007, 17:15 von Jürgen Heiliger »

Offline sommerfee

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Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #1 am: 09. Feb. 2007, 14:03 »
Moin!

Jürgen, erstmal danke für das Übersetzen und Einstellen dieses Textes.   :;049

Genauer wird die Einstellung der Auflagekraft per Waage.

Ich habe es nie verstanden und werde es wohl auch nie verstehen  :,010 Wozu brauche ich eine Waage? Entweder ich stelle das Gewicht grob ein, wenn z.B. 1.6-1.9g vom Hersteller angegeben ist, dann reicht es doch dicke das anhand der Skala einzustellen, oder? Wozu soll ich jetzt mit einer Waage einen schon ungenau vorgegebenen Wert genau einstellen?

Und wenn ich das Gewicht feiner einstellen möchte, warum dann nicht einfach nach Gehör? Entweder man hört den Unterschied, dann kann man das Gewicht auch einfach danach einstellen. Oder man hört ihn nicht, dann reicht aber auch eine grobe Einstellung anhand der Herstellerangaben. Oder?

Zitat
Es gehört einiges an Erfahrung, die optimale Auflagekraft zu finden.

 ??? Optimale Auflagekraft bezüglich was? Bezüglich Klang? Dann siehe oben, und man braucht keine Erfahrung, oder?

Beim Thema Antiskating bin ich ebenso verwirrt: Viel Kram & Krempel, wie man es kompliziert einstellen kann und dann dieser Schlußsatz:

Zitat
Erst ein mit der richtigen Auflagekraft und Antiskatingkraft eingestellter Tonabnehmer wird mit einem sauberen Stereo Bild und geringsten Verzerrung belohnen.

Wenn das so ist, dann kann man das auch ganz einfach nach Gehör machen, oder? Bin ich der einzige, der hier einen dicken Widerspruch innerhalb des Textes sieht?

Siehe auch VTA:

Zitat
Trotzdem ist es sehr wichtig, den korrekten VTA einzustellen, wenn Sie einen ausgeglichenen  Klang mit feinzeichnenden Höhen, Detailreichtum und Präzision erreichen wollen. Ein Herunterlassen oder Erhöhen des Arms beim Drehpunkt wird zu einem "Einrasten" des Klangbildes führen.

Siehe da, hier geht es plötzlich.  :;025

Zitat
WÄHLEN SIE DEN VTA MIT DEM SIE ALLE PLATTEN ABHÖHREN ALS MITTELWEG

Das mag ich ungerne so stehenlassen. Bei mir z.B. ist es klanglich günstiger, den Tonarm lieber etwas zu hoch als etwas zu niedrig einzustellen. Sprich: Auf dicke Platten optimiert hören sich dünne Platten weniger schlecht an als dicke Platten auf dünne Platten optimiert.

Liebe Grüße,
Axel
« Letzte Änderung: 09. Feb. 2007, 14:05 von sommerfee »

Jürgen Heiliger

  • Gast
Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #2 am: 09. Feb. 2007, 16:08 »
Moin!
............

Ich habe es nie verstanden und werde es wohl auch nie verstehen  :,010 Wozu brauche ich eine Waage? Entweder ich stelle das Gewicht grob ein, wenn z.B. 1.6-1.9g vom Hersteller angegeben ist, dann reicht es doch dicke das anhand der Skala einzustellen, oder? Wozu soll ich jetzt mit einer Waage einen schon ungenau vorgegebenen Wert genau einstellen?

Und wenn ich das Gewicht feiner einstellen möchte, warum dann nicht einfach nach Gehör? Entweder man hört den Unterschied, dann kann man das Gewicht auch einfach danach einstellen. Oder man hört ihn nicht, dann reicht aber auch eine grobe Einstellung anhand der Herstellerangaben. Oder?

Moin,

dann will ich mal weiter in die Tiefe gehen.....

Die von Hersteller angegebenen Werte richten sich nach dem Nadelschliff (mal vereinfacht ausgedrückt, ein feiner/schärfer geschliffener Diamant bedeutet auch zunächst einmal einen höheren Anpressdruck in der Rille auf den µ² bei gleichem Auflagegewicht) und dem/der Härte des Dämpfungsgummis in dem TA-System. Sie bedeuten einen Mindest Auflagedruck unter dem das System der Plattenrille keinen Schaden zufügt, aber ebenso auch den Höchstwert! Wenn man denn, was zu empfehlen ist das TA-System am oberen Rand der Spezifikationen bereibt sollte die Einstellung des Auflagedrucks am Arm mittels einer Waage überprüft werden.
Axel, Du glaubst nicht wie weit die eingestellten Werte von den tatsächlichen differenzieren. :;025 Eine Waage lohnt erst recht wenn man wie ich mehrere Arme und System zur Verfügung hat und die auch des öfteren wechselt. Übrigens die Kosten einer Waage für TAs belaufen sich unter 20€ in der Bucht.

Erhöhren kann man eine solche Auflagekrafteinstellung immer mittels einer Testplatte (z.B. DHFi Nr.2) die einen sogenannten Tracktest (Tiefenabtasthähigkeitstest) beinhaltet. Werte um/über 70µ Auslenkung sind immer zu empfehlen. :;025 Gute Systeme erreichen hier auch Werte über 80µ und mehr. Durch gewisse Steigerung der Auflagekraft kann ich hier das Ergebnis günstig beeinflussen, man sollte den Wert des TA-Herstellers in der Auflagekraft aber in seinem Höchstwert nicht mahr als 10 % übersteigen (Gefahr der Beschädigung/erhöhten Abnutzung der Platte).

Zitat
Zitat
Es gehört einiges an Erfahrung, die optimale Auflagekraft zu finden.
??? Optimale Auflagekraft bezüglich was? Bezüglich Klang? Dann siehe oben, und man braucht keine Erfahrung, oder?

Doch man braucht die Erfahrung um sich an die Leistungsfähigkeitsgrenze eines jeden TA-Systems heran zu tasten.
Erst recht wenn dieser TA nicht mit der Original Ersatznadel des TA-Herstellers bestückt ist und der Hersteller der Nadel über die Werte der Auflagekraft ausschweigt!
Und nur darum ging es in dem zitierten Satz!


Zitat
Beim Thema Antiskating bin ich ebenso verwirrt: Viel Kram & Krempel, wie man es kompliziert einstellen kann und dann dieser Schlußsatz:
Zitat
Erst ein mit der richtigen Auflagekraft und Antiskatingkraft eingestellter Tonabnehmer wird mit einem sauberen Stereo Bild und geringsten Verzerrung belohnen.


Zum Thema Antiskating.....
Die Skatingkraft ist eine sich stetig ändernde Kraft die den Tonarm zur Tellermitte zieht. Sie ist in Ahängigkeit der Stellung des Tonarms, der gewählten Auflagekraft und der Schliffform und der Poliergüte des jeweiligen Abtastdiamenten zu sehen. Grundsätzliche Aussagen lassen sich daher nicht machen.
daher nur mein Rat an alle die das Optimale aus ihrem TA holen wollen, dies per wie vor beschriebenen Test zu machen.


Zitat
Siehe auch VTA:
Zitat
Trotzdem ist es sehr wichtig, den korrekten VTA einzustellen, wenn Sie einen ausgeglichenen  Klang mit feinzeichnenden Höhen, Detailreichtum und Präzision erreichen wollen. Ein Herunterlassen oder Erhöhen des Arms beim Drehpunkt wird zu einem "Einrasten" des Klangbildes führen.
Siehe da, hier geht es plötzlich.  :;025


Axel, wer es ganz genau machen möchte macht dies nicht nur per Gehör, sondern zusätzlich auch mit einer solchen Lupe....
http://www.eschenbach-optik.com/de/Technische_Lupen.456.0.html?&cHash=9cdadb8c98&tt_products=1174#


Zitat
Zitat
WÄHLEN SIE DEN VTA MIT DEM SIE ALLE PLATTEN ABHÖHREN ALS MITTELWEG

Das mag ich ungerne so stehenlassen. Bei mir z.B. ist es klanglich günstiger, den Tonarm lieber etwas zu hoch als etwas zu niedrig einzustellen. Sprich: Auf dicke Platten optimiert hören sich dünne Platten weniger schlecht an als dicke Platten auf dünne Platten optimiert.

Liebe Grüße,
Axel


Auch hier gilt, dies ist auch wieder in Abhängigkeit des jeweils verwendeten Tonarms zu sehen, daher ist keine allgemeingültige Aussage zu treffen.

Gruß
Jürgen

Offline sommerfee

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Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #3 am: 09. Feb. 2007, 18:03 »
Moin Jürgen,

Danke für deine Antwort und die ergänzenden Erläuterungen, auf meinen Haupteinwand bist du jedoch nur wenig eingegangen:

Zitat
Erst ein mit der richtigen Auflagekraft und Antiskatingkraft eingestellter Tonabnehmer wird mit einem sauberen Stereo Bild und geringsten Verzerrung belohnen.

Das heißt doch: Man kann es problemlos hören, warum macht man es dann nicht per Gehör? Und zwar mit ganz normaler Musik? (Und wenn die eingestellten Werte so sehr von den tatsächlichen differieren, daß man nicht einmal auf 0.3g genau einstellen kann: Darf ich das so verstehen, daß die meisten Skalen totaler murks sind?)

Zitat
Doch man braucht die Erfahrung um sich an die Leistungsfähigkeitsgrenze eines jeden TA-Systems heran zu tasten.

Ein paar Platten auflegen und mit Gewicht/Skating rumspielen sollte doch reichen, um die Leistungsfähigkeitsgrenzen auszuloten, oder?

Zum Thema Antiskating: Vielleicht verirrst du dich ja irgendwann mal nach HB, dann können wir das mal Einstellen und nachschauen, inwieweit sich das mit dem erhörten deckt...

Zum Thema VTA:
Zitat
Auch hier gilt, dies ist auch wieder in Abhängigkeit des jeweils verwendeten Tonarms zu sehen, daher ist keine allgemeingültige Aussage zu treffen.

Dann ist es ja gut, daß ich einfach mal eine eigene Erfahrung gegen die IMHO doch sehr allgemeingültige Aussage gegenüber gestellt habe...  :,010

Liebe Grüße,
Axel

Jürgen Heiliger

  • Gast
Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #4 am: 09. Feb. 2007, 20:31 »
Hi Axel,

Du darfst dies so verstehen, dass wirklich manche Armhersteller mehr Schein bauen als wie Präzision. :;025

Weiterhin  dass es Platten gibt, die bis an die Grenze dessen gehen was die Vinylwiedergabe hergibt. Da kommt es wirklich auf das letzte Quentchen Präzision an, damit dass in der Rille verewigte wirklich hörbar gemacht wird. Sehr kritisch sind da Frauenstimmen in Verbindung mit Hochtonreichen Instrumenten. Z.B. aus der Stereoplay Highlights Nr.8 Seite 2 Milva, oder die Joan Beaz -- Diamonds and Rust. Nicht sauber justierte TAs lassen in diesem Falle die S-Laute zischeln.

Die Justage eines TAs läst sich nicht mal eben so mit normalen Platten überprüfen. Dafür gibt es Testplatten mit entsprechenden Signalen.

Gruß
Jürgen

Jürgen Heiliger

  • Gast
Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #5 am: 23. Mai. 2007, 13:30 »
Da ich schon des öfteren nach der elektronischen Tonarmwaage für TAs per PN gefragt worden bin hier einmal der Link zu der von mir genutzten.

http://cgi.ebay.de/100g-0-01g-PRAZISE-Feinwaage-Gold-Waage-Laborwaage-LED_W0QQitemZ120121574929QQihZ002QQcategoryZ70342QQcmdZViewItem

dazu habe ich mir ein kleine Winkelblech aus Alu in der Fa. gebogen, damit die Messung auf Höhe der Platte erfolgt.

Es reicht aber auch die jeweilige Tellermatte runter zu nehmen und die Waage auf den Blanken Teller zu legen, da die meisten Matten 4mm + 3-5mm für die Platte dick sind reicht dies als Ausgleich in der Höhe.

Gruß
Jürgen

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Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #6 am: 23. Mai. 2007, 13:36 »
habe mal eine druckfähige pdf-version (inkl. links zu den anhängen) von dem hauptbeitrag gemacht - nicht ganz uneigennützig ;-)

lg, erich
Ich nehme das Recht für mich in Anspruch, mir selbst zu widersprechen. Ich habe vor Dummheiten von mir zu geben, und bitte um die Erlaubnis, mich dann und wann zu irren. (Federico Fellini)

Jürgen Heiliger

  • Gast
Re: Erklärung zur Plattenspieler und Tonabnehmerjustage
« Antwort #7 am: 02. Jun. 2007, 21:46 »
Hi Erich,

Danke dafür.

Vielleicht hat unser Mitglied Chris Feickert noch so manchen Tip als Ergänzung :;025

Gruß
Jürgen