Autor Thema: Q-Sound - Versuch einer Vorstellung  (Gelesen 1169 mal)

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Offline pinoccio

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Q-Sound - Versuch einer Vorstellung
« am: 09. Apr. 2007, 11:24 »
Hi'chen

Q-Sound hab ich vor längerer Zeit mal versucht zu beschreiben. Die Eignung von LS und deren Abstrahlcharakteristiken bedürfen wohl einer Überarbeitung. Wohl auch der Zusammenhang mit  RA....

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Diese Aufnahmevariante (oder den Effekt) finde ich sehr bemerkenswert und deutlich unterschätzt. Er könnte eine wahnsinnige Bereicherung unseres Stereo 2.0 darstellen. Richtig in Form war Q-Sound bis ca. 1994. Danach wollte Q-Labs anscheinend in alle Lager vordringen (Soundkarten, Spiele,  und sogar Spielautomaten usw.) Meiner Meinung nach bedeutete dies den Tod für diesen interessanten Effekt - zumindest für higfidele Ansprüche. Er ist wahrlich mehr als nur eine Spielerei von Freaks, auch keine Stereobasisverbreiterung.

Hier ein Link der alle bisherigen Musikproduktionen mit Q-Sound auflistet.

So richtig registriert habe ich Q-Sound ca. 1991 mit Stings 'Soul Cages'. Irgendwie waren dort Instrumente nicht dort wo sie hingehören. Dieses Phänomen konnte man durch LS-Umstellung negativ/positiv beeinflussen. Mir waren natürlich Effekte durch Phaser (Kraftwerk, Software) ziemlich gut bekannt. Allerdings waren CDs mit dem Q-Sound Logo sehr drastisch 'neben der Kappe'. Musiker wollten eigentlich immer schon 'vom LS weg'. Daher gab/gibt es interessante Musikstückchen mit schrägen Phasereffekten (z.B. Tangerime Dream 'Stratosphaere'). So was bot doch hervorragende gestalterische Möglichkeiten. Nur... früher war die 'Masse' wohl mehr bereit der Musik zuzuhören. Wie Q-Sound genau funktioniert möchte ich überhaupt nicht eingehen. Es wird aber bei all diesen (3D)Effekten wahrscheinlich immer extrem an der Phase herumgespielt. Bei Q-Sound lief das am Anfang über einen DSP. Heute wird, wenn überhaupt, nur noch in der Abmischung am PC/Apple diese Art von Effekten eingebracht.

Roger Waters 'Amused To Death' (1992) bietet einige sehr brachiale Q-Sound-Effekte, die meines Erachtens, eine Art Referenz dieses Verfahren darstellen. Hier ist nichts statisch, hier wurde mit einer Art Mixer, der das Signal mehrbittig aufbereitet und mit einem visuellem Joystick für das zu bearbeitende Signal gearbeitet. Anschließend entweder zusammengemischt oder gar in Echtzeit gelöst. Deshalb wohl auch '3D Positional Audio production'. Stings 'Soul Cages' ist ziemlich sparsam mit Q-Sound angereichert. Lag wohl auch dem (ersten) statischen Verfahren. Heute finde ich es trotzdem interessant, die Abmischung schafft eine tolle Atmosphäre, soll heißen so passt es. Interessant als Q-S-Produktion ist noch 'Broken China' von Richard Wright. Hier sind die Effekte nicht brachial eingebunden, eher sehr dezent. Außerdem ist sie eine musikalisch sehr unterschätzte Produktion :)

Der größter Nachteil von Q-Sound wäre: Man muss sich immer im Sweet-Spot des Stereodreiecks befinden. Es ist deshalb für max. 1-2 Hifijünger geeignet. Finde dies ist aber kein gravierender Nachteil - auch für plastische Abbildung normaler CDs muss man sich innerhalb des Sweet-Spots befinden. Nicht am äußeren Rand, wie z.B. im Workshop und dann noch den plastisch-tiefgestaffelten 'Klang' von Gerätebasen oder dubiosen Kabelkneifern und Steckern hören... Ein echter Nachteil ist wohl die Bandbreite, sie ist begrenzt. Wie genau die Bandbreitenfrequenz ist kann ich z. Z bei Q-Sound nicht sagen, hab ein Bericht verlegt wo es drinnen stand. Aber... ich habe hier einen im Hinterstübchen, bei 'Amused To Death' findet sich ein komplettes Klavier als 'Rechtsausleger' das langsam halbrechts zwischen die LS wandert :-)

Mit dem Kopfhörer allerdings ist nichts zu holen. Fällt aber nicht dramatisch auf, Q-Sound ist monokompatibel, die Effekte stören da nicht weiter.

Berichte in unseren heiligen Testzeitschriften waren sehr wenige zu finden. Im Gegenteil, Roger Waters Aufnahme wurde irgendwo sogar als matschig bezeichnet. Tja. hätte der Rezi mal ne gescheite Abhöre gehabt. Was mich gleich weiter bringt zum Thema: LS testen mit Q-Sound. Nun, bei Hifihändlern (nicht nur dort!) war dies damals (wohl auch noch heute) unbekannt, einige wollten von diesen elektrischen Effekten nichts wissen, andere redeten eine mir fremde Sprache, manchen war schlicht die Musik zu Scheiße. Es war allerdings immer sehr ergiebig, lustig, amüsant und aussagekräftig teuere LS auf der High-End in Frankfurt daran scheitern zu sehen. Hinweise an Konstrukteure dergleichen flogen ungehört ins Nirvana. Ein Stand-LS der mir jedoch in sehr guter Erinnerung blieb war der Prototyp einer aktiven Revox (Scala?). Ausdrücklich ausklammern möchte ich hier jede Art von Rundumstrahler.

Nun, wenn man bedenkt, dass die meisten Standlautsprecher fokussierend sind, d H sie sind konstruktionsbedingt so aufgebaut (gestalterisch o. weichentechnisch), dass sie auf einem bestimmten Punkt im Stereodreick zeitrichtig abstrahlen, müsste ein Testen mit Q-Sound für LS-Aufstellung doch gut zu gebrauchen sein. Und genau das ist es auch! Meine bescheidene Erfahrung zeigt mir, wenn sich die Q-Effekte nicht oder schlecht von den LS lösen, stimmt das gesamte Klangbild nicht - auch was anschließend bei 'normalen' CDs die plastische Abbildung betrifft. Natürlich muss man auch den Kompromiss für Bass- und Hoch- Mitteltonbereich finden. Wandferne Aufstellung und keine Phantomquellen/Reflexionen kommt Q-Sound aber doch sehr entgegen. Soll heißen, man muss wenig bis keine Kompromisse machen. Aber... es gab und es gibt viele sauteuere LS bei denen das überhaupt nicht funktioniert, da löst sich nix von den Lautsprechern. Für mich ist so ein LS dann sofort 'gestorben'. Aber wie oben erwähnt, es sind ja schließlich nur Effekte bei denen man kein Fußwippen verspürt... Nun denn, wenigstens konnte man mit diesen Kisten beweisen das Q-Sound monokompatibel ist.

Wenn man jetzt z.B. ein im Musiksignal (oder Filmton) enthaltenes kodiertes Signal (ProLogic o.ä.) dekodiert und diese dekodierten Signale dem Q-Sound-DSP zuspielt, könnte er dieses bearbeitete Signal dem Originalsignal wieder zumischen und die Effekte wären mit nur 2 LS zumindest für ein 180° Feld da. Wird auch meines Wissens von einigen Firmen so (o. ähnlich) gemacht. So was könnte ruhig in High-endigen Kisten zu finden sein - ohne das gleich jemand schreit: Das ist ne Basisverbreiterung, bäh!. Nein ist es eben nicht, niemals gewesen. Ätsch! Es wäre eine Möglichkeit gewesen um Geld für Zusatzhardware zu sparen.

Saublöd ist es, wenn nur eine Taste gedrückt wird und das komplette Signal in einem Q-Sound-DSP drangsaliert wird und sich in den LS als dumpfes Marketingversprechen auflöst. Hier ist es wirklich nur eine üble Spielerei mit Basisverbreiterung. Das hat so den Touch von einer frühen Palladium-Komplett-Anlage mit Spezialschaltung für 4 Lautsprecher.

Hier nun das eigentliche Q-Sound Programm 'QCommander' das man im PC-Bereich verwenden kann. Es ist beim Commander nur möglich ein Monosignal zu bearbeiten. Nach der Einzeichnung der Linie wird es als Stereofile exportiert und in den Mix (z.B. Wavespur in Cubase) eingefügt. Vorteil ist, ich kann das Signal(Objekt) im Feld bewegen und positionieren wann und wo ich will. Nachteil ist einfach das Handling, man muss zuerst in Mono konvertieren. Sollte das Signal einen anderen Verlauf (oder anderes Timing) haben, muss man von Vorne beginnen.


Die grüne Linie bezeichnet den Verlauf des gewollten Sweeps. Die kleinen weißen Quadrate sind die Edit-Points und lassen sich beliebig setzen oder verschieben. In diesem Beispiel beginnt das Signal in der Mitte, verbleibt dort etwas, wandert nach rechts zur Seite, verbleibt am äußersten Rechtspunkt, rast nach links, kurzer Halt, schlagartig kommt die Stimme rechts, wandert nach halbrechts. Nach einem kurzen Moment rennt das Signal wieder zum linken äußersten Punkt. Das Männlein aufm Stuhl ist der virtuelle Gustav. Beim Abspielen gleitet ein gelbes Bällchen (auf Bild nicht zu sehen) um ihn und zeigt, virtuell, wo das Signal erscheint. Dieses Tool bietet allerdings nur 180° Effekte an. Mehr ist eigentlich, realistisch gesehen, nicht drin. Einen statischen Effekt an der Seite hätte man, wenn man die Linie nur Oben oder Unten einzeichnet. Würde man jetzt z.B. vier Musiker und eine Sängerin in vier verschiedenen Wavespuren aufzeichnen, könnte man diese nach Mono konvertieren und anschließend im Feld verteilen, später alles in einen Stereomix zusammenwürfeln. Einer links. rechts, halblinks, halbrechts und die Sängerin kommt im Verlauf des Stückes zu mir in die *Mitte*. 4punkt1 voila!
Soundbeispiel für QCommander


Neuere Effektsoftware kann dies in Stereo und Echtzeit ausführen. Wahlweise statisch in einem beliebigen Bereich des 360° Feld oder dynamisch im Feld wandern lassen. So ist auch 'Rotierendes' (nur speedgesteuert) das sich mit der Musik (ähnlich Time-Delays) verschachteln lässt möglich. Vorteil von Ambisone ist sein Handling. Es ist einfach als Plug-In einzubinden und man muss nicht erst ein Stereosignal nach Mono konvertieren. Nachteil: Es ist nicht möglich wie beim Commander das Signalobjekt punktgenau und zeitgesteuert in einen Bereich des 3D-Feldes zu bekommen. D. h. ich kann es nicht erst 2 Sekunden wandern lassen, 4,8Sek am Punkt ausharren lassen und dann mit Speed auf die andere Seite jagen. Richtig supi ist, man kann in jede Wavespur so ein Ambisone-Teilchen reinhauen und den ganzen Song 'neben die Kappe' hauen. Nur die Rechenleistungs des Rechenknechts beeinträchtigt das Ganze.

Die Softwaremaske (VST Plug-In unter Cubase SX) von Ambisone.

Die Kugel ist die Position des Signals. Dies kann jetzt beliebig positioniert werden. Die 'Speed' gibt die Geschwindigkeit vor mit dem das Signal im Feld wandern soll (statisch wäre 0 und Depth auf Kugelgröße reduziert) Das hellere Feld (Depth) in dem sich die Kugel befindet gibt den eigentlichen Bereich vor, in dem sich das Signal bewegen soll. Möglich ist hier 0 bis 360°.Allerdings macht es beim Abhören einen 'Knick', ausm Kreis wird ein Ei. Es sind mehr 180° an denen man sich orientieren sollte. Hinterm Kopf 'rast' das Signal schneller vorbei. Distance gibt den Abstand zum Signal. Interessant ist der Regler "Elevation" - hiermit lässt sich die vertikale Position des Signals bestimmen.
Soundbeispiel für Ambisone
(Das Soundbeispiel ist allerdings volles 360° Feld. Es wandert von li-re im Kreis)

Freilich gibt es noch eine Stange mehr Tools (Roland RSS, Wavearts, Steinberg, SpinAudio usw.). Die genannten Tools sind aber, so hab ich mit meinen Ohren gehört, die prägnantesten.

Warum schreib ich das überhaupt? Weiß ich selber nicht! Wahrscheinlich weil 3D Effekte bei Musikproduktionen mein kleines PC-Steckenpferd geworden ist. Wie gesagt, es sind tolle gestalterische Möglichkeiten die man mit solcher Software hat, nur müssen sie auch gewollt abgehört werden. Leider verausgaben sich zu viele Produzenten (und Musiker) in schwachmatischer Maximalkompression ihrer Musik.

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Übrigens.. auch Heinrich (Quinton) arbeitet(e) mit solchen 3D o. Raum-Effekten: Link

Gruss :;049
Stefan
« Letzte Änderung: 09. Apr. 2007, 11:30 von pinoccio »
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler