Autor Thema: M o n o p h o n e Musik  (Gelesen 5885 mal)

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Offline Höhlenmaler

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M o n o p h o n e Musik
« am: 10. Jun. 2009, 22:27 »
Ähhhe Ähhe ahemmm <--- phonetisch, bitte hüsteln

Seit mir wieder das Glück vergönnt ist, Musik von Schallplatten zu hören, konnte ich mir ja nicht verkneifen, das hier dauernd mit zu teilen.

Franzens alter Plattenspieler war mein Wiedereinstieg, alle meinen schönen schwarzen Scheiben endlich nochmal hören zu können. Das geht so seit zwei Jahren. Alles gut soweit. Irrsinnigerweise konnte ich es mir nicht verkneifen, diesem Kenwood KD 7010, einen weiteren Kenwood zur Seite zu stellen. Einen KD 700 D. Das eröffnete mir die Möglichkeit, mit verschiedenen Tonabnehmern zu hantieren, mit zwei verschiedenen Phonopres zu hören. Auch das war schön und ist soweit gut.

Als Schallplattenhörer landet man irgendwann dann im Analog Forum und liest dort mit.
Irgendwann stosse ich dort auf Threads, die sich mit monophon aufgenommener Musik und den Platten befassen, die zur Zeit vor Stereo in der Rille nur monophone Signale eingepresst haben.

In meiner Schallplattensammlung könnten doch auch noch Mono Schallplatten versteckt sein, vermutete ich? Ganz sicher war ich mir nicht, genau beachtet hatte ich das nie und dann enteckte ich die eine und andere Scheibe, die wahrscheinlich monophon ist. Es kann auch sein, da ich ja viele uralte Aufnahmen habe, aus den 40ern, den 50ern usw usw, daß die später obgleich ursprünglich mono, in eine Stereorille gepresst worden sind.

Dann hatte ich das G l ü c k einen dritten  :;055 Kenwood sehr günstig, in allerbester Erhaltungsqualität, bekommen zu können. Einen  KD 7010, das gleiche Exemplar wie der erste vom Franz. Interessant, die Seriennummern liegen nicht weit auseinander. Was mach' ich nun nur mit drei Plattenspielern?
O.K. andere Jecken haben einen Plattenspieler mit drei Armen. Die sind allerdings sauteuer, viel kostspieliger als drei Kenwoods. Da kostet alleine ein Tonarm locker mehr.

Jetzt bohrten diese Threads und Erfahrungsberichte der Monoliebhaber aus dem Analog Forum in meinem Hirn. Wo weiss ich zwar nicht so genau, aber, es hörte nicht mehr auf und schmerzte nicht.

Auf eine Empfehlung hin bestellte ich mir dann in Japan einen Tonabnehmer für die Wiedergabe monophoner Schallrillen in schwarzen Schallplatten. Modern wie die Japaner sind, versendeten die unverzüglich eines dieser Systeme, was nur eine knappe Woche später hier war. Ne' Schallplattenlieferung aus Berlin, London, Stockholm oder Wien braucht länger. Seltsam, aber so ist das.

Gestern war dieses Audio-Technika-Mono 3/LP für Moving Coil hier.
Habs vorhin v o r s i c h t i g montiert und dann die erste Platte, bange, obs denn auch tatsächlich was bringt, aufgelegt. Ne Scheibe von 1964 mit Bob Dylan und Pete Seeger auf so einem Folkfestival. Sofort, nach den ersten Tönen war klar: Ja, das bringts.

Ungeduldig wollte ich sofort ausprobieren, ob denn eine zweite Platte das hält, was die erste zu versprechen scheint. Jetzt musste Eric Burdon mit Aufnahmen von 1964 herhalten um meine ungeduldige Neugier zu besänftigen. Tatsächlich, die verknisterte uralte Platte stellte mir einen 60er Jahre Beat-Musik Eric Burdon Sound ins Zimmer, so, wie ich das noch nie gehört hatte, denn damals konnte ich nur mit allerbilligsten Kristalltonabnehmer Plattenspielern von Quelle oder Neckermann Musik hören.

Eigentlich hätte ich zufrieden alles wieder einpacken können, denn nun war ja klar, daß sich das alles gut oder sogar sehr gut anhört. Aber, ist der unterhaltungssüchtige Musikhörer in mir erstmal angespitzt, will er mehr. Eine Aufnahme aus den 40ern musste nun auf den Teller des Plattendrehers. Coleman Hawkins mit 'The Man I Love'. Habe die ganze Plattenseite gehört.
Jetzt folgte ein LIVE Konzert, Auschnitte. Charlie Parker. 1943. In Stereo doch schon einigermassen grauslige Klangqualität, selbst wenn man wie ich an Charlie Parker einen Narren gefressen hat. Irgendwie macht dieses Monosystem in der Rille, die in diesem Falle garantiert ein in eine StereoRille gepresstes ReIssue ist, aus dem uralten LIVE Sound eine sehr herzhafte Vorstellung mit klar tönenden Instrumenten und klar kratzender Aufnahmetechnik, die der aberwitzigen Spiellaune der Musiker freundlich die Bühne überlassen hat.

Irgendwie bin ich sehr angetan. Da ist zwar nur e i n Kanal der alles beinhaltet, aber es ist sehr deutlich, daß es im Grunde um die Musik geht und die steht vorne auf der Bühne.

Jetzt läuft noch ne Blues Scheibe aus den 70ern, Buddy Guy & Junior Wells play The Blues - sicher Stereo, die profitiert aber, der Ton ist zwar rau, aber der Klang der Blues Gitarren, des Bass, das Schlagzeug, ne Mundharmonika - das ist wie Eisenbahnfahren ohne Bremse. Eric Clapton spielt auch mit.

So, ich regele mich jetzt mal runter und verlasse dieses Förum vorübergehend.

Tschüss.

« Letzte Änderung: 11. Jun. 2009, 09:03 von Höhlenmaler »
Gruß Ingo . . . . . . . . Last FM

Offline gto

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Re: M o n o p h o n e r Musikgenuss
« Antwort #1 am: 10. Jun. 2009, 23:45 »
Wenn ich deine Zeilen so lese, dann freu ich mich direkt ein wenig mit.  :Freunde:
Viel Vergnügen beim heben alter Schätze, bin gespannt wie lange es noch bis zu Schellack dauert. :toolaughing:

Grüsse Gerd

Offline Höhlenmaler

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Re: M o n o p h o n e Musik
« Antwort #2 am: 11. Jun. 2009, 17:36 »
Eben hatte ich zwei Platten aufliegen, eine nach der anderen, da hat mir die Aufnahme von 1939 mehr zugesagt als die aus 1948. Die Klangqualität war ungefähr gleich, aber der Swing in der Musik von 1939 ist irgendwie flüssiger, geschmeidiger geschwingt. Die Buben damals waren ja auchmal jung und jünger. Während sich hier ... na ja, lassen wir das.
Auf Schelllack werde ich verzichten. Platten sind ja O.K. aber neben meinen Downloads und den zugegeben teilweise wirklich tollen CDs mag ich mich nicht weiter verwursteln.

Wie es dazu gekommen ist, daß ich wieder Schallplatten höre, steht in keinem anderen Forum so ausführlich oder überschwänglich beschrieben, wie in diesem hier.
Daß sich die Forenlandschaft fragmentiert ist nicht meine Schuld.

.

Gruß Ingo . . . . . . . . Last FM

Offline gto

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Re: M o n o p h o n e Musik
« Antwort #3 am: 11. Jun. 2009, 19:20 »

Daß sich die Forenlandschaft fragmentiert ist nicht meine Schuld.


Nein, ganz sicher nicht.  :;070 :;070 :;070

Aber zurück zu MONO, wäre es nicht konsequent dabei auch nur über einen Lautsprecher zu hören :;039 :ueberleg: :;009

Grüsse Gerd

Offline April Wine

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Re: M o n o p h o n e Musik
« Antwort #4 am: 12. Jun. 2009, 01:44 »

Aber zurück zu MONO, wäre es nicht konsequent dabei auch nur über einen Lautsprecher zu hören :;039 :ueberleg: :;009

Grüsse Gerd

und mit dem richtigen TA ! hust  :;055

http://www.phonophono.de/YA58008_25.php3

Gruss Stefan

Offline Höhlenmaler

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Re: M o n o p h o n e Musik
« Antwort #5 am: 12. Jun. 2009, 14:05 »

Ja, das muss ich nun nicht auch tun. Aber, konsequent wäre es schon, stimmt.
Die 'konsequenten' Mono Abtaster sind nur in der Ebene empfindlich, in der die Mono Rille geschnitten ist. Damit schadet man einer Stereo Rille. Viele oder die meisten meiner Mono Aufnahmen sind ReIssues die halt im Stereo Zeitalter in Stereo Schrift in der entsprechenden Rille vorliegen. Der 'inkonsequente' Mono Abtaster, der in allen Ebenen beweglich ist, tastet zwar das Stereo Signal, macht aber wegen seines 'inkonsequenten' Spulenaufbaus oder den elektrischen Anschlüssen dennoch kein Stereosignal, am Ende kommt nur Mono raus. Und so einer ist wohl der TA, den ich jetzt seit ein paar Tagen benutze.
Zwischen den Lautsprechern baut sich der Klang natürlich nicht rechts -Links unterschiedlich auf, das Bild ist dennoch nicht flach oder schmal oder klein oder sowas. Es gibt ein scheinbar grösseres oder weiter hinten, oder über oder vor den Lautsprechern befindliches akustisches Abbild. Unterschiede sind hörbar, denn auch nicht jede Mono Produktion gleicht der anderen.
Musik aus einer Mono Rille, die ich mit einer Stereo Nadel zuvor gehört hatte, klang mal mickriger, mal ganz gut, mal so und mal so.
Irgendwie macht die Mononadel da eine eigene Sache draus. Wie sich das im Zusammenhang zwischen Rille und Nadel darstellt, da bin ich noch nicht gut informiert. Das Bild macht sich mit Mononadel einfach anders, angenehmer, homogener könnte ich verschwurbelt mitteilen. Krasse höhere Frequenzen machen keine schrille, gar gläsern scheinende Figur, sie verschwinden im Gesamtbild und fügen sich harmonisch ein. Manche meiner alten Aufnahmen aus den 40ern konnten da schonmal schmerzhafte Augenblicke bereiten, wenn die feinere Spitze der Stereonadel tiefer in der Rille liegend, den feineren Auslenkungen in der Rille höherer Tönen folgend, 'mehr' abtastete. Das musikalische Abbild scheint auch körperhafter, allerdings nicht mit dieser überquellenden Plaztizität, die ganz moderne Produktionen vorweisen können. Das körperhafte und irgendwie sehr griffige Bild hat Muskeln, und scheint schon sehr stabil. Die innere Geschlossenheit oder Homogene Abbildung ist nicht eng und starr. Es pulsiert zwar auch nicht wie es heute möglich wäre, aber, Spass macht es schon sehr, das jetzt auch hören zu können. Wenn ich zuvor im Falle guter Aufnahmen schonmal unsicher war, nicht genau zwischen analog und digital unterscheiden zu können, das funktioniert jetzt, auch wenn ich nicht im Sweet Spot hocke.

Zwischen den Lautsprechern bleibt halt alles eher mittig oder breitet sich symetrisch in allen Richtungen aus, aber eben immer nur der Information des einen monophonen Kanales Vorgaben folgend.

Die 'Schrift' der Mono Platte ist ja nicht so eingepresst oder geschnitten, als dass eben spannungslose Informationen wiedergegeben werden.

Ich habe viele alte Platten, mit noch älteren Aufnahmen. Duke Ellington z.bsp Ende 20er, bis Ende 30er. The Mooche ist da drauf oder East St.Louis Toodle Doo, oder auch You're Got Those Wanne Go Back Again Blues und Mood Indigo und die Black and Tan Fantasie

Oder ein Doppelalbum mit Musik von Sidney Bechet und dem schwärzesten, scheinbar schmerzhaftesten Blues, denn ich je hören konnte. Nur weil irgend eine Frau ihn verlassen hatte oder er einen seiner Jobs verloren hatte ... oder er mit der Eisenbahn unterwegs war ... Mono kommt der jetzt etwas fetter und es könnte sein, daß ich mich auch fürchte, wenn ich ihm zuhöre.

Es gibt Leute, die hören Mono tatsächlich mit nur einem Lautsprecher. Z.Bsp Johannes LeBong. Der kann aber auch alles selbst bauen - seine Lautsprecher, seine Elektronik, alles.
Ich kann nix. Nur Hören und im Garten die Unkräuter ausreissen.

Das System ist übrigens schneller aus Japan hier angekommen, als Schallplatten aus England, Schweden oder Berlin üblicherweise benötigen, bis sie hier sind. Mit PayPal bezahlt und schon ging in Japan die Post ab. Hier ist alles etwas gemütlicher.

 
monovinyle Grüsse

Ingo






« Letzte Änderung: 12. Jun. 2009, 14:15 von Höhlenmaler »
Gruß Ingo . . . . . . . . Last FM

Offline hal-9.000

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Re: M o n o p h o n e Musik
« Antwort #6 am: 12. Jun. 2009, 20:00 »
So wie es lsich liest, bist Du sehr zufrieden - was will man mehr? :Freunde:
Grüße
Mario