Autor Thema: Pink Floyd - Ummagamma  (Gelesen 2433 mal)

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Offline pinoccio

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Pink Floyd - Ummagamma
« am: 09. Mär. 2008, 11:21 »



Geistermusik mit vielen leeren Rillen ohne Inhalt!

Dies waren die Worte meiner Eltern zu der Doppel-LP "Ummagumma". Hat mir nie was ausgemacht, im Gegenteil! Bestätigte es doch in meiner Jugendzeit meinen exzellenten Musikgeschmack  :toolaughing: Deswegen ließ ich wohl auch niemals locker bei solch monströs-verwirrenden Soundescapaden ala "Saucerful Of Secrets".

"Ummagumma" ist für mich die Platte, die Pink Floyd am Höhe - und Scheitelpunkt Anfang der 70iger Jahre zeigt(e). Alle Aufnahmen hatten später irgendwie nichts mehr mit dieser Art von Musik zutun und das war auch gut so, eine Band muss sich schließlich auch etwas weiterentwickeln. Provokativ gesagt, es war der Punkt, als sich Pink Floyd von Syd Barrett endlich trennte und ihren neuen Gitarristen David Gilmour als gleichberechtigtes Mitglied aufnahmen bzw. vorstellten. Ich persönlich halte das für einen guten und wichtigen Schritt. Bescherte es uns nämlich die späteren Floyds mit Alben wie "Atom Heart Mother", "Meddle", "Dark Side", "Wish You Where Here"usw. Mit dem bereits verstorbenen Syd Barrett, so denke ich, wäre das niemals möglich gewesen. Pink Floyd wären früher oder später total in der Provinz-Insider-Versenkung verschwunden. Sie hätten niemals den speziellen Sound, der PF auszeichnete und in den 70igern wichtig war, mit David Gilmour gefunden.

"Ummagumma" besteht aus zwei Teilen. Der Live-Teil besteht aus vier Aufnahmen, die im College of Commerce, Manchester, bzw. im Mother´s Club, Cambridge, aufgenommen wurden. Er war sogar bis 1989 die einzige offizielle Liveaufnahme von Pink Floyd. Für den Studioteil konnte jeder der 4 Musiker seinen eigenen Teil beitragen und somit seine eigene Kreativität ausleben  - und das taten sie. Die Songs sind zum Teil sehr experimentell, somit auch irgendwo verwirrend, zeigen wirklich erst in Verbindung mit älteren und neueren Songs im Kontext eine gewisse Klarheit.

Live-Teil


Astronomy Domine: Barretts Dauerbrenner der eine große Fangemeinde besitzt. 1994 wurde er bei der Welttournee nochmals Live gespielt. Nun ja, mir gefällt er nicht sonderlich. Aber diese Live-Version von UG gefällt mir gut. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass sich hier David und nicht Syd austoben durfte und die anderen Mitglieder einen etwas höheren Anteil daran hatten. Man vergleiche dazu Aufnahmen von mitgeschnittenen Konzerten mit Barrett (Rojo: Pink Floyd London 66-67 von Miles Records). Syd Barrett konnte sich an der Gitarre verzotteln ohne wirklich den oder überhaupt einen Schluss zu finden. Es nützt nichts die Gitarrenseiten von vorne bis hinten zu dehnen, zupfen, einzudreschen und zu drangsalieren - es muss auch was dabei ans Publikum rüber kommen bzw. hängen bleiben. Nicht jeder im Publikum ist vollgekifft.

Was mir an dieser Version besonders gefällt ist das Mittelteil das sehr spacig ausfällt. An dieser Version haben sich bestimmt die frühen Hawkwind (Silvermachine) orientiert.

Careful With That Axe, Eugene: Was mir hier immer gut gefällt ist der stille und langsame Anfang. Ganz zart und ganz langsam baut sich die Stimmung über Rogers Bass, Ricks Hammond, Nicks lockeres Schlagwerk und Davids schmale Riffs mit Echoeffekt. Ein Mellotronklang zum träumen—hier kann man begreifen, warum dieses Instrument wieder sehr angesagt ist/war. Gerade wenn man gedanklich ausgelichen mit Gänsehaut zuhört, wird der Song zerrissen durch Rogers Schrei den alle PF-Fans wohl verinnerlicht haben.

Set the Controls for the Heart of the Sun : Wenn man sich überlegt wie einfach dieses Stück gestrickt ist, es ist unglaublich wie es sogar heute noch wahnsinnig intim rüberkommt. Roger singt, Rick gängelt sein Mellotron und Nick trommelt passend (aber keinesfalls stoisch) sein Schlagzeug. Ebenfalls ein spaciges Mittelteil zum abheben. Es ist einfach Klasse was die Jungs damals aus ihren Instrumenten rausgeholt haben. Musik mit einfachen Instrumenten die heute, falls von Musikern gespielt, als Musik ala Handmade gepriesen werden würde. Pink Floyd von Kritikern als Elektronikrocker beschrieben, ich muss grinsen!

A Saucerful of Secrets: Das isses! Dieses Stück zeigt Pink Floyd pur. Fast 13 Minuten ein Spektrum von Sounds und auch Experimenten mit den Instrumenten und Verstärker. Man muss sich vorstellen wie begrenzt die technischen Möglichkeiten für Effekte damals waren. Wie es die Mannen verstanden, mit durchaus ungewöhnliche Methoden, Ungehörtes hörbar zu machen. Wie genial muss man sein um solche Sounds zu kreieren? Dieses Prachstück sollte man ganz anhören, nicht nur dem schönen Schluß (Celestial Voices) verfallen.

Mag sein, dass dieses Stück auch die Ungewissheit über den zukünftigen Weg der Truppe beschreiben könnte…

Studio-Teil

Sysyphus [part 1-4]: Rick Wright, der Klavierspieler, welcher sich dieses Instrument angeblich selber beigebracht hatte. Natürlich geht es nicht sofort ins Ohr, soll es auch gar nicht. Es soll beim 40tigen mal anhören immer noch wirken. Hier zeigte er seine Liebe zum Jazz. Ich weiß nicht wer hier schon alles an Ideen für sich geklaut hat. Härtnäckige Zuhörer werden trotzdem mit sehr schönen Melodie- und Spannungsbogen entlohnt. Wer weiter hört merkt schnell, aus wessen Konto eigentlich "Echoes" gehen könnte.

Grantchester Meadows: Grantchester Meadows – ein realer Park in England mit Bachlauf und Wiesen. Man hört es dem Song auch an. Fliegen und Vögel - Roger Waters Erstlingswerk mit Realsounds. Dieser Linie blieb er sich bis zu seinem letzen Album "Amused To Death" treu. Ich liebe dieses stimmungsvolle Stück mit Overdub– Gesang und Gitarre – bis hin zur bekannten Fliegenklatsche am Schluss. Dabei ist das nur ein wunderbarer Übergang zu dem nächsten Titel:

Several Species of Small Furry Animals Gathered Together in a Cave and Grooving With a Pict: Mit diesem Titel konnte man hervorragend Leute schocken. Man stelle sich mal vor, irgend so ein bekloppter junger Pink Floyd-Fan macht mit seinen Kumpels aufm Acker (nahe am Dorfrand) ne Party und nutzt nachts um ca. 24.00 Uhr die fette Stereoanlage, nur um mit brachialer Lautstärke zu zeigen, was für geile Musik er da doch hört.

The Narrow Way [part 1-3]: Hier stellte wohl David erstmals seine Musikalität richtig vor. Damals konnte er noch richtig experimentieren. Man kann hier wohl deutlich hören, wohin die musikalische Reise mit Pink Floyd zukünftig gegangen ist. Eindeutig eine Linie bis zu seinem späteren 78er Soloalbum zu erkennen.

The Grand Viziers Garden Party (Part 1-3): Auch Nick durfte hier mal Solo ran. Masons Frau spielte hier übrigens die Flöte Nicht überraschend,  dass es sich um Schlagwerkzeuge dreht, welche mit Effekte verfremdet wurden. Was er aber daraus macht zeigt dass sich die VIER zur rechten Zeit am rechten Ort gefunden haben.. Die spätere Entwicklung der Musik von PF sagt mir ich habe Recht.

Wenn man in Gedanken alle 4 Solostücke zusammenmischt erschließen sich Produktionen wie "Atom Heart" und "Meddle" wie von selbst….

Zum Klang:
Ich kenne nur Remaster-CD-Version von 1994 und normale LP-Version. Bei der Remaster-Versionen klingt der  Live-Teil in meinen Ohren schlechter als die LP-Live-Version. Gerade die Live-CD-Version hat deutliche Übersteuerungen in der analogen Aufnahme zu bieten. Außerdem finde ich, ist die Räumlichkeit eingeengt. Möglich das Spezi Doug Sax keine guten Bänder mehr auftreiben konnte, auch diese unterliegen wohl einer gewissen Alterung.

Die Remaster-CD-Studio-Version ist ziemlich gut gelungen. Man glaubt zum Teil nicht, dass die ürsprünglichen Aufnahmen im Jahr 2008 ihr 40-jähriges Jubiläum feiern.

Gruss
Stefan

Weitere Lektüre:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ummagumma
Songtexte  (Fan-Seite von Bruder Franzsikus): http://www.pinkfloyd-forum.de/lyrics/lyrics_ausgabe.asp?ID_a=4
« Letzte Änderung: 09. Mär. 2008, 14:18 von pinoccio »
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline Micha L

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Re: Pink Floyd - Ummagamma
« Antwort #1 am: 09. Mär. 2008, 11:45 »
Neben Ummagumma gefällt mir so richtig nur Atom Hearts Mother.
Dark Side ist mir schon zu simpel gestrickt und m. E. sind da lediglich die Geräuscheffekte das Besondere und Quadro natürlich....
Je später die Alben, desto simpel-popiger kamen sie daher.

Gruß

Micha
« Letzte Änderung: 09. Mär. 2008, 13:29 von Micha L »

Offline Franz

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Re: Pink Floyd - Ummagamma
« Antwort #2 am: 09. Mär. 2008, 13:05 »
Diese Doppel-LP ist eine meiner all time favourites. Mit dieser Musik bin ich groß geworden, fasziniert mich noch heute. Im Gegensatz zu manch anderen finde ich die Musik von PF in ihrer frühen Phase - dazu zähle ich noch diese Produktion - viel kreativer als das, was später kam, obwohl das Album "Wish you were here" schlichtweg die Pink Floyd Scheibe für mich ist. Das ist aber rein presönlich bedingt.

Bei der Ummagumma gefällt mir besonders der Studio-Teil, wo jeder der 4 seine eigene Kreativität ausleben konnte. Es wurde noch nicht auf Kommerz geachtet. Jedes Stück hat einen besonderen Reiz, das Anhören macht jedes Mal wieder einen Heidenspaß.

Diese LP gehört zu denen, die ich niemals verkaufen würde. Das sagt zu der Wertschätzung eigentlich alles aus.

Gruß
Franz

Offline audioklaus

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Re: Pink Floyd - Ummagamma
« Antwort #3 am: 09. Mär. 2008, 13:14 »
Hallo

Ich habe auch die '69 Harvest-Pressung (Deutschland)
Die "Live" LP finde ich über jeden Zweifel erhaben, habe aber mit der "Studio" LP so meine Schwierigkeiten.
Das Abspielverhältniss ist zu 3 : 1 zu Gunsten der Live-LP...

MfG
klaus