Autor Thema: Eloy – Eine kleine Lobhudelei  (Gelesen 3828 mal)

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Offline pinoccio

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Eloy – Eine kleine Lobhudelei
« am: 08. Mär. 2008, 22:14 »
Eloy – wirklich nur bombastischer Krautrock?

Autor des Zitates: Jürgen Rosenthal (Eloy)

Zitat
Seinem Schüler PLATON wurde das Ende des SOKRATES zu einem Sinnbild für das Schicksal, das alle WAHRHEIT in einer 'im IRRTUM befangenen Welt' zu erwarten hat. Wir sollten uns heute darüber klar sein, dass wir uns von neuem unter die verpflichtende Größe dieses Anfangs unserer geistigen Geschichte zu stellen haben und versuchen müssen, ihr Denken wieder einzuholen wenn wir eine Chance zum überleben haben wollen!

Vielen dürfte Eloy aus den Siebzigern ein Begriff sein. Mir übrigens auch, war dies nämlich meine schamhaarlose Zeit - heute bin ich nur noch schamlos. Aber egal, wer hier nun eine Lobhudelei über Eloy erwartet, hat mit Sicherheit nicht ganz unrecht.  :)

Eigentlich ist nicht immer bekannt wer hinter den diversen Gruppen usw. steckt. Für Eloy zeichnet sich hauptsächlich Frank Bornemann verantwortlich, er gründete "Eloy" bereits 1969, benannt nach dem Volk der Eloi (H.G.Wells "Timemachine"). Weitere Bandmitglieder außer Frank Bornemann (Gitarre, Gesang) waren Klaus-Peter Matziol (Bass), Detlev Schmidtchen (Keyboards) und Jürgen Rosenthal (Drums), der auch die Texte schrieb. Erwähnenswert ist noch Manfred Wieczorke (Keyboards) der u.a. auf dem Album "Inside" mitwirkte. Als Schulband gelang ihnen über einen Talentwettbewerb (yepp, so was gab es früher auch) einen Plattenvertrag zu ergattern.

1979 löste sich die Gruppe in dieser Formation auf, die Soloprojekte riefen. Bornemann machte allerdings unerschütterlich mit anderen Musikern (aber auch mit K-P Matziol) weiter und hielt den Namen "Eloy" immer aufrecht. Zurzeit gibt es viele Sonderausgaben (Best-off, OceanII - The Answer) und Remasterversionen von den alten Hits. Mir persönlich wurde nach dieser Trennung die Musik zu oberflächlich und überproduziert - nach "Mighty Cries..." stieg ich komplett aus, hing aber noch an den alten Songs.

Eloy wurde ja gerne musikalisch mit Pink Floyd verglichen, das mache ich jetzt auch, aber nicht im musikalischen Sinne. Es mag verwunderlich sein, aber hier sind eigentlich eindeutige Parallelen mit Pink Floyd zu erkennen, was die Band- und Songgestaltung, das Durchziehen von Projekten und die Wahrnehmung in der Musikpresse angeht. Frank Bornemann könnte man wahrscheinlich als einen eben solchen Sturkopf wie Roger Waters bezeichnen. Im Prinzip auch gut so, was wäre manche Musik ohne diese Sturköpfe?

Die Wahrnehmung in der Presse bzw. der wohlwollende Einfluss Musikbranche spricht eine eindeutige Sprache gegen Eloy. Mir selbst sind noch einige unverständliche Verrisse  von sog. selbsternannten Musikexperten bekannt, welche an dieser Band kein gutes Haar ließen – aber erst nachdem sie aus den Radiostudios rausgegangen waren und sie sich nicht mehr dazu äußern konnten. Vordergründig wurde (und wird sogar noch) gerne der "urige-akzentuierte" englische Gesang von Frank Bornemann, die angebliche starke musikalische Anlehnung an Pink Floyd als stärkste Kritikpunke benannt. Mag ja sein, meine lieben verstummten Kritiker, aber seine Stimme passte wunderbar zu den Arrangements. Den ganzen verklärten Lauschern dieser Musik war die Aussprache eigentlich… scheißegal. Die musikalische Ausrichtung, gewisse Parallelitäten von Eloy zu Pink Floyd war zu dieser Zeit ganz normal, viele andere Bands nutzen diese Fragmente von spacigen Soundkollagen, andere orientieren sich heute noch daran. Echte Floydianer sahen niemals eine große Verbindung von Eloy zu Floyd, sie konnten trennen und die Musik von Eloy wirkte gänzlich anders auf sie. Um dies zu erklären oder zu verstehen, muss man aber auch etwas mit Pink Floyd anfangen können.

Es mag aber auch daran gelegen haben, dass damals (z.B. nach dem Album "Ocean") Eloy als ziemlich esoterisch in diesen Zeiten wahrgenommen wurde. Dazu u. a. auch sozialkritische Texte, auch Kritik an Technik und Fortschritt um jeden Preis, die allesamt nicht so richtig in die damalige Landschaft passten. Egal was Eloy tat, auf die Beine stellte, wie hoch sie ihre Qualität hingen oder was sie Live bewerkstelligten - es ergossen sich letztendlich fasst erbärmliche Hasstiraden über sie. Komischerweise nur in Deutschland; im näheren Ausland wurden sie eigentlich als Sensation wahrgenommen. Leider waren ihre Konzerte 1977 (Eloy "Live") in meinem damaligen Alter unerreichbar. Dennoch zeigen sich hier auch gewisse Parallelen zu Pink Floyd. Oftmals wurden ihre Songs bzw. Musik als zu bombastisch beschrieben. Es hieß immer, sie wären nur mit Effekten erträglich, sei es nun mit Lightshow oder pyrotechnischen Effekten, es war scheinbar nicht sonderlich viel wert. Aber.. wer zumindest mal bei Pink Floyd in die glänzenden Augen ihrer zahlenden Besucher geschaut hatte, die vielen Coverversionen und Unplugged-Sessions der Musikstücke wahrgenommen hat, der weiß, dass dies eigentlich nicht so ist und niemals war. Man könnte ja auch diesen Kritikern entgegnen, was für eine Musik das ist, die sie hören bzw. gut finden, die so unheimlich viele inspirierende Worte der Musikschaffenden und von ihren gutwilligen Kritikern braucht, dass die Hörer die Interpretationen auch verstehen und/oder einen tieferen Sinn in ihnen verspüren. Ja so was, ist es denn möglich, dass es Hörer gibt, die Musik, Sound und Light einfach nur genießen wollen?

Wie dem auch meine einseitige und subjektive philosophische Betrachtung ist, "Eloy" hat bisher über 2 Millionen Platten verkauft, trotz heftigen Widerstand der Musikpresse, wurden somit die Nummer 1 des "Krautrocks"  und sie haben und hatten ziemlich beständige internationale Fans, welche sich durch das penetrant-provinziale Genöle von Radiomoderatoren überhaupt nicht beeindrucken ließen. Ihre Kommentare kann man verschmerzen; Eloy sind noch da, viele elitäre und untereinander abschreibende Kritiker sind von der Bildfläche verschwunden und ins nichtssagende Land abgetaucht. Gell Peter…?

Dass die Jungens live echt was drauf hatten sollten u.a. diverse WDR-Mitschnitte belegen. Ok, die damalige Mode sollte man tunlichst ausblenden.

SunSong (Live)
http://www.youtube.com/watch?v=AbNGYqLXvXk

Decay Of Logos (Studio-Live)
http://www.youtube.com/watch?v=Rwem1MRS78Q

Midnight Flight (Live)
http://www.youtube.com/watch?v=Ir_Hw24e62Y

In der Neuzeit sind einige Alben als Remaster erschienen. Eigentlich habe ich eine relativ negative Einstellung zu solchen nachbearbeiteten Wiederveröffentlichungen. Aber… wie so oft wenn man vorschnell urteilt, die Remaster dürften sich lohnen. Es klingt nicht sofort brutal verändert, sondern es scheint ziemlich viel Wert auf einen ausbalancierten Klang gelegt worden zu sein. Viele Spielereien werden im Sound ersichtlicher. Es finden sich tolle Beschreibungen und Bildchen im Booklet, zudem sind sie für ein paar Euros bei Amazon zu haben. Sehr aussagekräftig ist u.a. auch der Booklet-Text von "Eloy-Live" mit den Beschreibungen der damaligen technischen Widrig – und Schwierigkeiten solcher Effektshows.

Link zum Remaster-Tonstudio: www.pauleracoustics.de *kopfpatsch*

Apropo Bilder: Wer kennt es nicht?

Cover von Ocean


Verantwortlich dafür ist übrigens Wojtek Siudmak. Link: http://www.siudmak.com/

Kleine unvollständige Liste der Remaster:

Live 1977 –remaster-


Dawn –remaster-


Power and the Passion –remaster-


Zu "PatP" schreibt Wikipedia:
Zitat
"Die Errungenschaften der technischen Zivilisation werden - trotz des z.T. futuristischen Sounds der Band - meist negativ bewertet bzw. dienen etwa bei Power and the Passion als Vehikel ins Mittelalter zu reisen und dort erst mal mit der Liebe seines Lebens einen Joint durchzuziehen. Die Liebe ist es auch, die einen Hoffnungsschimmer in der mystisch-düsteren Welt von Eloy darstellt"

Ok, hört sich etwas schwurbelig an, jedoch mE nicht negativ. Aber spätestens nach dem Anhören von "The Bells Of Notre Dame" sollte einem klar werden was damit gemeint ist. "Liebe" … ja na und? Tut es eigentlich irgendwo irgendwie weh, wenn man sie in Gesang, Musik und Text vereinigt und auch noch davon singt?

So wer bisher gelesen hat ein dickes "Sorry". Ich habe ja angedroht, dass es  Lobhudelei wird. Aber was solls… mit solcher Musik wurde die Generation "Pop" von der weichen Schulbank ins echte knorrige Leben begleitet. Ist es denn ein Wunder wenn sie "hängen" bleibt...?

Gruss
Stefan

ps. Wikipedia listet u.a. auch noch die späteren (und ehemaligen) Musiker nach der Trennung und eine Albenliste auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Eloy_%28Band%29

Homepage: http://www.eloy-music.de/
« Letzte Änderung: 09. Mär. 2008, 14:24 von pinoccio »
Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen - Heiner Geißler

Offline Franz

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Re: Eloy – wirklich nur bombastischer Krautrock?
« Antwort #1 am: 09. Mär. 2008, 13:10 »
Wer die Musik von Pink Floyd mag, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch Eloy mögen. Auf mich trifft das zweifellos zu, habe viele Alben von denen.

"Dawn" ist meine Lieblingsscheibe von denen. Ich mag einfach diese Art von Konzeptalben, wo ein Stück in das andere hinübergleitet, quasi eine Geschichte erzählt wird. Das fesselt, ist spannend, zugleich sehr schön, wie Eloy Sprache, Rhythmik und Idee miteinander verknüpft. Ich kann da stundenlang zuhören und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Diese Truppe sagt mir was, nicht nur textlich, auch musikalisch.

Gruß
Franz

Offline Micha L

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Re: Eloy – wirklich nur bombastischer Krautrock?
« Antwort #2 am: 09. Mär. 2008, 13:33 »
Mein Ex-Schwager verkündete mir vor Jahren, es gäbe ne neue Platte vom Mahavishnu-Orchestra. Leider war das ne Verwechslung......  :;055